Trittsteine

Penyal des Migdia (1398 m) – der Aufstieg von Norden

Art
Bergtour
Region / Ort
Touren um Sóller / Fornalutx
Schwierigkeit
schwer
Charakter der Tour
sehr anspruchsvolle Bergtour auf einer Schotterstraße sowie schmalen, steilen und stellenweise nur schwer sichtbaren Pfaden. Eine abschüssige Felspassage und die Überschreitung des luftigen Gipfelgrats erfordern Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Klettergewandtheit (Kletter-Schwierigkeitsgrad 1). Schwierige Orientierung – vor allem beim "Einstieg" von der Schotterstraße: Das Gelände ist mit hohem Dissgras bewachsen, es ist dort auf den ersten 50 m kein Pfad sichtbar, aber es wurden einzelne Steinmännchen gesetzt. Schwierig ist die Orientierung auch weiter oben beim Übergang ins Kar. Dort finden Sie gut gesetzte, aber ganz kleine und im hohen Gras versteckte Steinmännchen – orientieren Sie sich dort stets auf die Radarkuppel auf dem Puig Major zu. Nur bei sicherem Wetter und guter Sicht ratsam. Kaum Schatten.
Ausgangsort
Fornalutx bei Sóller
Ausgangspunkt
an der Ma-10 zwischen Sóller und Lluc bei Km 38,1. Parkmöglichkeit für einige Autos neben der Straße (820 m). Ansonsten besteht knapp 1 km weiter oben, vor dem Tunnel durch die Serra de Son Torrella (Túnel de Monnàber), ein größerer Parkplatz (von dort 10 min zu Fuß).
Zufahrt
von der Ma-11, der Straße zwischen Sóller und Port de Sóller, bei Km 32 – nahe dem Bahnübergang – Richtung Lluc/Pollença auf die Ma-10 abzweigen. Man fährt dann noch gut 13 km über Sa Bassa (Picknickplatz) in die Waldhänge des Bosc de Monnàber am Fuße des Penyal des Migdia hinauf.
Bus/Zug
keine öffentliche Verkehrsanbindung
Gehzeit
bis 5h
Höhenunterschied
650 m
Höchster Punkt
1398 m
Einkehrmöglichkeit/Unterkunft
unterwegs keine; Bars/Restaurants in Fornalutx und Sóller
für Kinder geeignet
nein
Rundtour
nein

Der 1398 m hohe Penyal des Migdia ist der eindrucksvolle südwestliche Vorbau des Puig Major. Die wilden Felswände unter den drei Gipfeln des Massivs, die oft im Abendrot leuchten, beherrschen das Tal von Sóller. Im Gegensatz zum gesperrten Hauptgipfel, der eine militärische Radaranlage trägt, ist dieser schroffe Felsberg für Bergsteiger erreichbar – absolute Schwindelfreiheit, Klettergewandtheit und gute Kondition vorausgesetzt. Wir schlagen hier den Auf- und Abstieg über die Nordseite vor. Die größten Schwierigkeiten erwarten Sie dabei nicht oben auf dem schmalen Gipfelgrat, sondern schon beim "Einstieg" in die darunter gelegene Nordmulde: Dort muss eine felsige Steilstufe überlistet werden, was nicht nur absolute Schwindelfreiheit und Klettergewandtheit, sondern auch gutes Orientierungsvermögen voraussetzt. Letzteres braucht man schon beim Zustieg zu dieser "Schlüsselstelle", bei dem nur winzige Steinmännchen die richtige Route vorgeben. Oberhalb der Felsbarriere folgt ein mühevoller Aufsstieg durch steilen Schutt, der jedoch in eine großartige Hochgebirgslandschaft führt. Ganz oben winkt schließlich großer Lohn: Geübte Bergsteiger empfinden den Gipfelgrat mit seinem festen Fels als wahre "Himmelsleiter", und die fantastische Rundumsicht über die gesamte Bergwelt Mallorcas wird nur kurz durch den benachbarten "Radargipfel" des Puig Major unterbrochen. Bei klarer Sicht liegt Ihnen aber auch die gesamte Ebene der insel zu Füßen; ein weiteres Highlights im Panorama ist der Tiefblick zum Cúber-Stausee und zu den markanten "Zwillingsbergen" von Alaró.

Herzlichen Dank für die Hinweise von Herrn Ahmed El-Wakil!


Wegbeschreibung:

Zum Coll des Cards-Colers: Unsere Wanderung beginnt auf der Schotterstraße, die am Fuße der Felsabbrüche des Penyal des Migdia durch den Waldhang aufwärts führt. Nach einem grünen Metallgatter kommen wir unter einem großen Steinschlagnetz vorbei, das die Trasse vor herabfallenden Felsbrocken schützt. Im sanften Auf und Ab erreichen wir das Tor zum Gebiet der Finca Bini Gran – falls es geschlossen ist, kann man es links unten über ein kleines Tor in einem Mauerüberstieg umgehen. Bei der folgenden Wegteilung bleiben wir auf der linken Trasse, wandern in ein Tal mit einem kleinen Gebäude und gehen bei der nächsten Abzweigung rechts weiter. Wir passieren Sa Fonteta, eine alte, gemauerte und von Moos bewachsene Quelle. In Serpentinen kommen wir, zwei Abzweigungen ignorierend, in den Sattel des Coll des Cards-Colers hinauf (903 m). Vor uns liegt – bereits in der Gemeinde Escorca – das einsame Hochtal der Fincas Bini Gran und Bini Petit, über dem der Camí des Cingles durch die riesige Nordwestflanke des Puig Major bis zur Sa-Calobra-Straße hinüberzieht. Links etwas abseits steht ein eigenwillig aus Beton und Metall gefertigtes Kreuz. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass in diesem so entlegenen Gebiet schon im 13. Jahrhundert eine Kapelle stand; eine zweite Tafel widmete man Pater Rafel Juan i Mestre, der sich intensiv mit ihrer Geschichte befasste.
45 min

Auf den Gipfel: Wir gehen auf der Schotterstraße kurz abwärts und dann im sanften Auf und Ab weiter, bis nach gut 400 m links eine ebene Fläche liegt. Hier biegen wir rechts auf einen kleinen, freien Platz ab und wenden uns dahinter, am Fuße von Felsen, nach links.
Achtung: Die Route ist nun sehr schwer im hohen Dissgras zu finden. Wir orientieren uns grundsätzlich in Richtung der Radarkuppel auf dem Puig Major und halten gleichzeitig Ausschau nach den ganz kleinen, meist im Gras versteckten Steinmännchen, die uns durch das unübersichtliche Gras- und Waldgelände leiten. Nach einigen Schritten bergab erreichen wir neben kleinen Felsformationen eine Mulde und gehen rechts an einem hellen Felsen vorbei (größeres Steinmännchen). Wir bleiben nun meist knapp oberhalb des Waldes, mühen uns im schrägen Anstieg durch den mit hohem Gras bewachsenen Hang hinauf und queren ein Schuttfeld. Unterhalb kleiner Felsabbrüche gelangen wir zu einer weiteren Schutthalde, neben der wir gerade ansteigen. Oben wieder links schräg durch den Grashang in felsiges Gelände und zu einem Felsvorsprung (Steinmännchen) auf etwa 1000 m Seehöhe.
Links sehen wir nun in ein tiefes Schuttkar hinab. Oberhalb davon gehen wir flach durch einen felsigen Hang, steigen etwas an und passieren eine kleine Schuttrinne. Anschließend überqueren wir breite, aber schräge und abschüssige Karrenplatten (Steinmännchen). So erreichen wir eine breitere, von Geröll erfüllte Felssrinne, durch die wir rechts unter den Wandabstürzen steil ansteigen. Sie wird bald so eng, dass wir rechts einige Meter über Felsabsätze emporklettern. Oberhalb dieser Steilstufe nach links und zu einem Steinmännchen. Dann queren wir auf schmalen Tritten eine abschüssige Felsschlucht und gehen auf einem sanft ansteigenden, mit Gras bewachsenen Band am Fuße von Felsabbrüchen zu einem kleinen Absatz mit Gebüsch. Von dort gelangen wir rechts im Bogen durch einfacheres Gelände in die breite Gras- und Geröllmulde unter dem eindrucksvollen Felsrund des Penyal des Migdia. Achtung: Prägen Sie sich vor allem diese Passage gut für den Abstieg ein!
Wir steigen nun auf Pfadspuren – ein kleine Felsstufe links umgehend – zu zwei Schutthalden empor. Links davon aufwärts, dann im schrägen Anstieg mühsam durch den Schutt und vor dem rechten Geröllfeld im Zickzack aufwärts. Zuletzt gelangen wir in einen breiten Sattel am Kamm des Penyal des Migdia hinauf (1341 m).
Rechts kommt man über den breiten Rücken und einige kleine Felsstufen in 5 min auf den Westgipfel (1356 m, herrlicher Blick über das Tal von Sóller). Links geht’s dagegen zum schroffen Aufbau des Mittelgipfels, der sich überraschend einfach über einige steilere, aber gut gestufte Aufschwünge mit solidem Gestein erklimmen lässt. 10 min nach dem Sattel stehen wir beim kleinen Gipfelkreuz und bestaunen den Ausblick nach Süden bis zum Castell d’Alaró, aber auch das Panorama im Norden, das vom . Zum höchsten Punkt des Penyal des Migdia (1398 m) führt ein ca. 200 m langer, stellenweise sehr schmaler und beiderseits steil abfallender, aber ebenfalls gut gestufter Grat hinüber. Über zwei Erhebungen klettern und balancieren wir in weiteren 10 min über diese „Himmelsleiter“. Auf dem Gipfel befinden sich drei Rundmäuerchen, die beim nächtlichen Biwakieren Schutz vor dem Wind bieten, und eine Gedenktafel für Jose Carlos Marmol. Nun sehen wir direkt zur 1 km entfernten Radarstation auf dem höchsten Punkt des Puig Major hinüber.
2 h

Abstieg auf der gleichen Route. Eine Routenvariante ist möglich, indem man den Westgipfel überschreitet und am Rand der schrägen Gras- und Schuttfläche neben den Südwest- und Westwänden des Penyal des Migdia bis auf etwa 1150 m Seehöhe hinabgeht. Dann verhindern nordseitige Felsabstürze den weiteren Abstieg, sodass man rechts etwa 600 m durch die steilen Hänge zur Aufstiegsroute in der breiten Mulde hinüberqueren muss.
Variante 2: Nach der Überwindung der „Schlüsselstelle“ und der Querung des felsigen Steilgeländes kann man ab der ersten Schutthalde auch direkt zur Schotterstraße des Camí des Cingles absteigen. Dabei geht’s etwa in der Falllinie über knapp 100 Höhenmeter durch hohes Dissgras und sehr verwachsenen Wald hinunter – mühsam, aber schneller als der kaum kenntliche Rückweg entlang der winzigen Steinmännchen!
2 h