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Torrent de Pareis – Schluchtdurchquerung im Abstieg

Art
Bergtour
Region / Ort
Touren um Lluc / Escorca
Schwierigkeit
schwer
Charakter der Tour
Diese lange Schluchtdurchquerung zählt trotz ihres Bekanntheitsgrades zu den gefährlichsten Touren der Insel. Nach dem Abstieg auf einem stellenweise verwachsenen Pfad erwarten Sie in der Schlucht zahlreiche kurze Kletterpassagen, die an einigen Stellen durch künstlich ausgehauene Tritte etwas entschärft wurden. Das glattgescheuerte Gestein bietet jedoch kaum Möglichkeiten zum Anhalten, und so manche Kraxelei über ausgewaschenen Löchern erfordert gute Nerven. Selbst die einfacheren Schutt-Abschnitte dazwischen sind mühsam zu begehen. Die Länge und die durchgehenden Anforderungen der Schlucht werden immer wieder unterschätzt.
Ausgangsort
Restaurant Escorca an der Ma-10 im Bergland zwischen Sóller und Lluc
Ausgangspunkt
der Parkplatz gegenüber des Restaurants (Infohütte)
Zufahrt
auf der Ma-10 zwischen Sóller und Lluc bis zum Restaurant Escorca bei Km 25,2. Nur sehr beschränkte Parkmöglichkeit, da der Platz gegenüber des Restaurants für Gäste reserviert ist – entlang der Straße bestehen noch einige kleine Parknischen, die aber oft von Ausflüglern belegt sind.
Alternative: Vor der Tour mit dem Auto auf der kurvenreichen Sa-Calobra-Straße (Abzweigung von der Ma-10 bei Km 29,2) zum Zielpunkt Port de sa Calobra hinunter (großer Gebührenparkplatz) und wieder per Bus (nur April– Oktober) oder Taxi (Tel. 608/631707, 639/287055 oder 971/505154) zum Ausgangspunkt hinauf.
Bus/Zug
Haltestelle der Buslinie 355 Can Picafort – Sa Calobra und der Buslinie 354 Can Picafort – Port de Sóller (beide Linien nur April – Oktober) beim Restaurant Escorca
Gehzeit
bis 5h
Höhenunterschied
Durchquerung: 650 m im Abstieg (nur bis Sa Fosca 400 m Ab- und Wiederaufstieg)
Höchster Punkt
650 m
Einkehrmöglichkeit/Unterkunft
unterwegs keine; Bar/Restaurant beim Ausgangspunkt, Bars/Restaurants in Port de sa Calobra
für Kinder geeignet
nein
Rundtour
nein

Die Durchquerung des ca. 3,3 km langen Torrent de Pareis zählt zu den schwierigsten Touren der Insel. Zwischen dem Frühjahr und dem Herbst, wenn die gewaltige Schlucht zumindest zeitweise trocken liegt, wird sie von versierten Bergsteigern gern unternommen – meist im Abstieg. Eine Wanderung ist das nicht mehr: An den teils riesigen, vom periodischen Sturzwasser glatt geschliffenen Steinblöcken kann man sich kaum anhalten, während bis zu 2 m hohe Felsstufen Trittsicherheit, Klettergewandtheit und manchmal auch den Mut zum Springen fordern. Stehen die ausgeschwemmten Felsbecken unter Wasser, dann heißt es: durchwaten oder sogar schwimmen – glücklich, wer dann einen wasserdichten Beutel für Kleidung, Fotoapparat oder Papiere dabeihat!
Jedes Jahr passieren im Torrent de Pareis schwere Unfälle, vor allem durch die Unterschätzung des Geländes und der Länge der Schlucht, aber auch durch plötzlich einbrechende Unwetter. Daher:

• Starten Sie nur nach längeren Trockenperioden und bei stabilem Schönwetter. Im allgemeinen ist ist die Schlucht etwa zehn Tage nach Regenfällen wieder begehbar.
• Auskunft über die aktuelle Situation erhalten Sie in der Sommersaison in der Infohütte am Ausgangspunkt in Escorca (täglich 7 – 13 Uhr) bzw. in Port de sa Calobra (11 – 19 Uhr), Tel. 971/517100, auch auf Englisch. Weitere Infos finden Sie im Internet. Am sichersten ist es, ein oder zwei Tage vor der Tour nachmittags von Sa Calobra zur Mündung des Torrents zu spazieren und ankommende Schluchtbegeher zu fragen.
• Planen Sie genug Zeit für die Tour ein – für Pausen, Fotografieren und (sehr wahrscheinlich) und die Wegsuche.
• An einigen Stellen finden Sie vielleicht nicht gleich den besten Durchstieg. Lassen Sie sich ruhig Zeit und stürzen Sie sich nicht hastig über die nächste Felsstufe, über die Sie dann womöglich wieder hinaufklettern müssen.
• Starten Sie möglichst früh, denn am Nachmittag kann es in der Schlucht sehr heiß werden.
• Nehmen Sie unbedingt genug zu Trinken mit.
• Wenn Sie nur zur Fosca hinuntergehen und dann wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, prägen Sie sich schon beim Abstieg die unübersichtlichen Passagen ein – und jene Stelle, an der Sie den Torrent de Lluc wieder verlassen müssen.
• In jedem Fall: Gehen Sie niemals alleine oder ohne Handy los!
• Den meisten Gefahren entgeht man, wenn man von oben nur bis zur Entreforc, der Vereinigung des Torrent de Lluc mit dem Torrent des Gorg Blau, hinuntersteigt und nach dem kurzen Abstecher in die Fosca wieder zum Ausgangspunkt hinaufgeht.

Wegbeschreibung:
Der "Einstieg" zum Torrent de Pareis verbirgt sich gleich neben der Infotafel am Parkplatz. Ein schmaler Pfad führt zu einem Zaun (Tor) hinab und weiter zu einer Mauer mit Zaun, neben der wir rechts an Feldern entlanggehen. Unter Steineichen links zu einem Mauerdurchlass (grüner Pfeil). Dahinter geht's durch freies, felsiges Gelände zu einem großen Steinmännchen. Dort scharf nach links (geradeaus erreicht man nach 20 Schritten eine natürliche Felsbrücke, toller Blick in den Torrent). Auf einem alten, stellenweise gepflasterten Weg neben einem Felsgraben und in Kehren durch Grashänge abwärts. Flacher zu einem kleinen Sattel und dahinter in vielen Kehren in den Torrent hinunter (stellenweise bestehen Abkürzungspfade – Vorsicht, etwas unübersichtlich, besonders beim Wiederaufstieg). Schließlich erreichen wir unter einen überhängenden Felswand den Torrent de Lluc. Wir folgen dem Bachbett nach links, wobei wir zwischen großen Felsblöcken den besten Durchgang suchen müssen (links oben besteht auch ein Pfad). Nach ca. 500 m stehen wir an der Einmündung des Torent des Gorg Blau (S'Entreforc, ca. 250 m).
1 h 15 min

Nun lohnt sich der kurze Abstecher in die Seitenschlucht Sa Fosca: Wir gehen unter den Felswänden nach links, steigen über Schutt und einige glatte Felsstufen zum Bachbett hinauf und stehen nach 10 min am Beginn der engen, finsteren Klamm. Dort legen hohe Felssufen und rutschiges, von feinem Moos überzogenes Gestein das Umkehren nahe (nur wenn es wirklich ganz trocken ist, können klettergewandte Bergsteiger auf kleinen, künstlich ausgehauenen Tritten noch ein kurzes Stück höherklettern).
30 min hin und zurück

Nun muss man sich entscheiden, ob man auf dem Zugangsweg wieder zum Restaurant Escorca emporwandert (1 h 30 min) oder den Torrent de Pareis bis zum Meer durchquert. In diesem Fall erreicht man bald die erste unpassierbare Stelle der Schlucht, die ein Pfad rechts etwas höher oben umgeht (Steinmännchen, kleine Farbpunkte). Danach behindern große Gesteinstrümmer das Durchkommen, dann weicht man der nächsten Steilstufe rechts aus. Es folgt ein ganz schmaler Durchschlupf auf der linken Seite, zwischen der Wand und einem Felsblock. Nach mehreren Kletterstellen wird es etwas einfacher – aber nur für eine kurze Strecke, bis links ein steiniger, im Gebüsch schlecht kenntlicher Pfad emporzieht. Auf diesem umgehen wir eine weitere Steilstufe des Torrents (in dem wir rechts die Cova des Soldat Pelut erblicken).
Nach weiteren Kletter- und Sprungstellen im Bachbett wird die Schlucht wieder enger und dunkler. Ein riesiger Felsblock lässt nur rechts vor der Wand einen schmalen Durschschlupf frei - hier ist einige Gewandtheit gefragt. Gleich danach, an der engsten Stelle des Torrents, muss links ein weiterer kniffliger Einschnitt über einem Wasserloch überklettert werden. Nach einem letzten Hindernis – einem runden, ganz glatt polierten Stein in einem Felseinschnitt – ist der Schluchtgrund zwar immer noch voller Steinbrocken, aber wieder einfacher zu begehen. Wir kommen an der grün umwucherten Tropfquelle Es Degotis und einem auffälligen Felszacken vorbei. Dann müssen wir noch unter Steinblöcken und Gebüsch durch, um einen riesigen Felsblock an einem meist gefüllten Wasserbecken zu umgehen. Schließlich gelangen wir auf Schotterbänken neben (oft ausgetrockneten) Tümpeln zum Kiesstrand bei der Mündung des Torrents. Davor geht's links zu einem Weg, der durch zwei Tunnels zur Uferpromenade von Port des sa Calobra führt.
3 h