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Torrent de Mortitx – Schluchtdurchquerung im Abstieg

Art
Bergtour
Region / Ort
Touren um Lluc
Schwierigkeit
schwer
Charakter der Tour
Landschaftlich fantastische, aber sehr anspruchsvolle Schluchtdurchquerung (etwa 10 km lang). Im Torrent de Mortitx muss man Felsblöcke überklettern, glatt ausgewaschenes Gestein überwinden. Achtung: Bei Gewittern bzw. Regenfällen kann der Bach in der Schlucht rasch anschwellen. Unternehmen Sie diese Tour also nur bei sicherer Wetterlage und nach längeren Trockenperioden. Auch für den Abstecher zur Küste und den Rückweg, der auf einem stellenweise sehr verwachsenen Pfaden durch unwegsames Karstgelände verläuft, sind sehr guter Orientierungssinn und Trittsicherheit unerlässlich. Orientierungshilfe bieten nur Steinmännchen und einzelne Farbpunkte – bei Nebel ist die Route vor allem beim Rückweg kaum zu finden. Niemals allein losgehen und unbedingt genug zu Trinken mitnehmen! Kaum Schatten.
Ausgangsort
lluc bzw. Pollença
Ausgangspunkt
Das Tor zur Finca Mortitx im wilden Bergland an der Ma-10 zwischen Lluc und Pollença (389 m)
Zufahrt
Von Lluc bzw. Pollença auf der Ma-10/C-710 bis Km 10,9, Parkmöglichkeit nur für wenige Fahrzeuge (oft schon frühmorgens besetzt).
Bus/Zug
Keine öffentliche Verkehrsverbindung zum Ausgangspunkt
Gehzeit
bis 6h
Höhenunterschied
400 m
Höchster Punkt
389 m
für Kinder geeignet
nein
Rundtour
ja

Der Torrent de Mortitx ist ein Musterbeispiel für Mallorcas wilde Schluchten. Er zeigt sich als typisches Trockental, in dem man jedoch auf Schritt und Tritt die Spuren wilden Wassers entdeckt: glatt polierte Steine, ausgewaschene Felsen, Löcher im Gestein, in denen das kühle Nass auch nach längeren Trockenperioden noch schimmert. Der unterste und schmalste Abschnitt der Schlucht, der Torrent Fondo, ist eine beliebte Canyoning-Tour, die man nur mit Seil, Neoprenanzug und dem entsprechenden Kletterkönnen für die schwindelerregende Rückroute ins Auge fassen darf.
Auch rund um den Torrent wirkt das Wasser als Landschaftsgestalter, und zwar auf chemischen Wege: Das kohlensäurehältige Regenwasser wandelt das harte Kalkgestein in leicht lösliches Kalziumbikarbonat um. So entstehen messerscharfe Karren (Schratten) auf den Felsen, bizarre Steinfiguren und an Karies erinnernde Löcher in den Wänden. Auch im Bergesinneren laugt das Wasser millimeterfeine Schichtfugen und Klüfte aus, bis Höhlen und Schächte entstehen. Durch diese Vorgänge wurde vor allem das Berggebiet zwischen dem Vall d’en Marc und dem Kloster Lluc zu einem unwirklich schönen, aber auch höchst unwegsamen „Steingarten“, in dem guter Orientierungssinn gefragt ist. Wer das von Dissgras, Gebüsch und einzelnen Bäumen bewachsene Labyrinth der Gräben, Türme und Hochflächen zwischen den Weingärten der Finca Mortitx und der Steilküste meistert, wird mit dem Blick auf ganz besondere Wunder der Erosíon belohnt: Im Gebiet des verlassenen Anwesens Rafal d’Ariant bewacht der schlanke „Entenschnabel“ den Torrent, über dem Torrent Fondo erscheint ein Karrenfels wie ein steinernes Nagelbrett – und schließlich öffnen sich hinter dem Hügel des Musclo de les Cordes die beiden urgewaltigen Felsportale der Cova de ses Bruixes, der sagenumwobenen Hexenhöhlen.

Wegbeschreibung:
Durch den Torrent de Mortitx: Man durchquert das Tor neben dem kleinen Parkplatz (Schild „Vinyes Mortitx“ – falls geschlossen, geht's rechts daneben auf Stufen über die Mauer). Auf dem Fahrweg rechts um die Finca Mortitx herum, an einem Tennisplatz und der Weinkellerei vorbei und etwas abwärts zu den Weingärten auf einem ebenen Hochtalboden. Rechts daran vorbei zu einem Tor (rechts Leiterüberstieg); Infotafel und Hütte. Auf dem Fahrweg flach weiter durch die karstige Ebene und zu einer betonierten Bachfurt (rechts Blick zu einem Felsloch). Knapp 100 m dahinter zweigt rechts ein undeutlicher Pfad ab (Steinmännchen, grüner Punkt). Dieser schlängelt sich zwischen hohem Gras und über ein weiteres (meist trockenes) Bachbett zu einen markanten Felseinschnitt. Hier beginnt der Abstieg in den Torrent de Mortitx.
In dieser Felsschlucht ist eine kleine Mauer zu überschreiten, dann geht's steil über abgeschliffene Steinblöcke undkleine Felsstufen hinab. Der schmale Torrent wird bald wieder breiter. Teils im und teils neben dem Bachbett gelangen wir zu einem großen Felsblock (rechts daran vorbei), kurz rechts hinauf (Steinmännchen) und wieder steil in die Schlucht hinab. Nach der Einmündung des (ungangbaren) Torrent de s’Hort des Molí kommt man an ausgeschwemmten Wasserbecken vorbei. Zuletzt muss man auf steilem, glatt gescheuertem Gestein rechts ein größeres Wasserbecken umklettern – „auf Reibung“. Schließlich erreichen Sie ein flaches Talbecken und wandern auf den markanten Felsturm Bec d’Oca („Entenschnabel“) zu. An seinem Fuß beginnt ein besonders wilder Schluchtabschnitt.
Unsere Route biegt davor jedoch rechts ab und führt durch ein einst bewirtschaftete Tal (dürre Feigenbäume künden noch davon) zum verfallenen Haus Rafal d’Ariant hinauf.
1 h 30 min – 2 h

Zur Cova de ses Bruixes: Hinter der Ruine liegt ein flacher, grasiger Sattel, von dem wir in eine weite Mulde hinabwandern. Rechts an der gemauerten Font de l’Hort vorbei, dann nach rechts und über ein Bachbett. Nun geht’s auf flachen, aber verzweigten Pfadspuren – immer links in einigem Abstand neben einer langen Mauer und zuletzt durch einen Mauerdurchlass – zum Coll de la Caletta, der Einsattelung südlich des Grasbuckels Musclo de les Cordes. Dahinter auf einem gut sichtbaren Pfad abwärts. Schließlich steigt man links auf Pfadspuren durch den steilen Geröllhang und unter einem überhängenden Felsblock zur Caleta d’Ariant ab. Etwa 30 m über dem Meer klettert man am linken Rand der Bucht über eine steile, aber durch schmale Bänder und Stufen gegliederte Felsflanke auf eine schmale Gesteinszunge, die sich wie ein Laufsteg ins Meer vorschiebt. Von ihrer Spitze genießt man einen atemberaubenden Blick zu den beiden Felsportalen der Cova de ses Bruixes in den senkrechen Klippen des Musclo de les Cordes. Auf der gleichen Route steigt man wieder nach Rafal d’Ariant hinauf.
1 h hin und retour

Rückweg nach Mortitx: Von der Hausruine links haltend zu alten Feigenbäumen, neben einer Mauer zu einem Bachbett und nach dessen Überquerung auf dem gepflasterten, aber stellenweise sehr verwachsenen Camí del Rafal weiter. Bei einem roten Pfeil nach links und auf verzweigten Pfadspuren durch den Grashang zu den durchlöcherten Felsabstürzen (Voltes de l’Ullastre) hinauf. Bei einem steinernen Pfeiler mit Steinmännchen beginnt der gepflasterte Weg wieder: rechts am Fuße der Wände entlang und dann im Zickzack durch grasiges Gelände zu einem kleinen Gesteinszacken empor. Davor nach links und in Kehren in einen kleinen Sattel. Dahinter Vorsicht: Bei einem roten Pfeil auf einem Fels rechts steil zu einer grasigen Anhöhe hinauf. Geradeaus durch die dahinter gelegene Mulde und in Serpentinen in einen Pass, von dem man zum ersten Mal wieder den Puig Tomir erblickt. Links haltend zu einem Einschnitt neben bizarr zerküfteten Gesteinsformationen. Kurz abwärts, im Auf und ab durch eine weitere Grasmulde zu einem Pass zwischen einem schlanken Felsturm und zwei kleinen Bäumen. Dahinter in ein schluchtartiges Tal, das bei einem gelben Pfeil nach links umbiegt. Auf dem teils gepflasterten Weg und über Felsplatten rechts des Grabens zu einem Sattel hinauf. Flach durch Gras zu einem quer verlaufenden Pfad, auf diesem links über Felsstufen in den nächsten Pass unter zwei Bäumen. Über einen nahen Grassattel und im sanften Abstieg zu einem kleinen Einschnitt zwischen zwei großen Felsblöcken. Die links Platte querend erreicht man eine Mauer mit Leiterüberstieg (rechts daneben Durchlass). Auf dem dahinter gelegenen ebenen Platz teilt sich der Pfad: rechts eben zu einer niedrigen Mauer, die überstiegen wird. Rechts haltend und sanft ansteigend gelangt man neben alten Mauern und durch Gebüsch auf eine Anhöhe, wo man eine Schotterstraße erreicht. Links zu einer Abzweigung, von dort rechts zu den Feldern der Finca Mortitx hinab und neben dem geschlosssenen Zauntor geradeaus weiter, bis man den Zaun links auf einer Leiter überwinden kann. Links zu den Gebäuden, dort nach links und am Tennisplatz vorbei zum Ausgangspunkt zurück.
2 h 30 min