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Talaia Vella – der »Kettenweg«

Art
Bergtour
Region / Ort
Touren um Valldemossa
Schwierigkeit
schwer
Charakter der Tour
Eine der schwierigsten der hier vorgestellten Touren mit einigen sehr steilen, felsigen und abschüssigen Passagen, die absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Die schwierigste Stelle, eine etwa 20 m hohe Felsrinne, ist mit einer Eisenkette und einem an Bäumen befestigten Seil gesichert (vorher auf die Verankerung und Zugfestigkeit prüfen). Der Abstieg ist einfacher und verläuft auf breiten Wegen und schmalen Waldpfaden, erfordert aber wie der Aufstieg gutes Orientierungsvermögen. Markierung mit Streinmännchen, im Aufstieg auch stellenweise mit roten Punkten. Viel Schatten.
Ausgangsort
Ermita de la Trinitat am Fuße der Talaia Vella, ca. 3 km nordwestlich von Valldemossa
Ausgangspunkt
der (Park-)Platz hinter der Kirche
Zufahrt
von Valldemossa auf der Ma-1130 ca. zur Küstenstraße Ma-10 und auf dieser rechts zum Restaurant Can Costa nahe Km 70 (2,5 km). Von Deià gelangt man ebenfalls auf der Ma-10 dorthin (8 km). Gegenüber der Restaurant-Zufahrt zweigt die sehr schmale Asphaltstraße (einige Ausweichplätze) zur Ermita de la Trinitat ab; Parkplatz hinter der Kirche.
Bus/Zug
keine öffentliche Verkehrsverbindung
Gehzeit
bis 3h
Höhenunterschied
450 m
Höchster Punkt
871 m
Einkehrmöglichkeit/Unterkunft
unterwegs keine; Restaurant Can Costa an der Ma-10. Im Kiosk des Klosters erhält man Devotionalien, aber keine Erfrischungen.
für Kinder geeignet
nein
Rundtour
ja


Die Talaia Vella, ein Ausläufer des Teix-Massivs im Norden von Valldemossa, zählt zu den beliebtesten Wanderzielen der Insel. Auf der hier vorgestellten Rundtour über diesen Berg werden Sie trotzdem meist allein unterwegs sein: Den verschlungenen Aufstieg, der durch die schroffe, wenngleich bewaldete Nordwestflanke emporführt, sollten nur geübte und erfahrene Bergsteiger ins Auge fassen. Diese werden die "knackige" Route aber bestimmt goutieren, denn sie bietet einige Überraschungen. Vor allem wundert man sich inmitten der Felsen über das Vorhandensein zahlreicher Köhlerplätze, die an den kaum mehr vorstellbaren Arbeitsalltag vergangener Zeiten erinnern. Den finalen Clou bildet eine Eisenkette, die das Erklettern des obersten Felsaufbaus erleichtert. Das Gipfelerlebnis vor der steinernen Hütte, die Erzherzog Ludwig Salvator ebenso anlegen ließ wie den berühmten Reitweg Richtung Teix, teilt man dann oft mit begeisterten Wanderern, die auf dem "Normalweg" von Valldemossa heraufgekommen sind.
Doch bald darauf – beim Abstieg vom Coll de Son Gallard – umfängt uns wieder die große Stille. Bleiben Sie ab dem Estret de Son Gallard, einer breiten Schlucht am Fuße der Nordanstürze der Talaia Vella, bitte stets links: ein massiver Zaun lässt erahnen, dass die Besitzer des gleichnamigen Landguts keine herumirrenden Wanderer schätzen. Außerdem ist die Route oben am Berg mit weiteren Relikten des Erzherzogs versehen. Mit einem Wort: eine märchenhaft schöne Tour für schwindelfreie und orientierungssichere Mallorca-Feinspitze!

Achtung: Mit dem Projekt „Muntanya des Voltor" gelten seit 2014 in einem 300 ha großen Gebiet rund um den Pla des Pouet oberhalb von Valldemossa neue Wander-Regeln. Das Areal, in dem wieder Mönchsgeier brüten sollen, wird von der Stiftung „Vida Silvestre de la Mediterrània" gemanagt. Damit will man die (allzu) starke touristische Nutzung besser organisieren, den Wald gesundpflegen und alte Bauwerke wie Kalköfen oder Brunnen restaurieren. Am Ausgangspunkt des Weges von Valldemossa zum Pla des Pouet kann man sich bei einer Info-Hütte über die neuen Regelungen.
Auf den Wegen zum Mirador de Can Costa und in seiner Umgebung werden derzeit nur mehr 30 bis 50 Wanderer pro Tag zugelassen. Für die Begehung benötigt man nun eine Genehmigung. Keine Genehmigung braucht man hingegen für den Weg, der vom Pla des Pouet Richtung Pas d'en Miquel hinaufführt. Er wurde neu beschildert. Nach 150 m zweigt links ein neu angelegter Weg ab, der – schon im öffentlichen Gebiet der Finca Son Moragues – zur Einsiedlerhöhle emporzieht. Von dort kann man rechts auf dem Reitweg des Erzherzogs weiterwandern.
Info: Tel. 619/591985, Email: valldemossa@procustodia.org


Wegbeschreibung:

Auf die Talaia Vella: Wir gehen unter Steineichen zu einem geschlossenen Tor am vorderen Ende des großen Platzes vor der Ermita de la Trinitat. Rechts daneben gibt eine Lücke im Zaun den Durchgang zu einem anfangs breiten Weg frei, dem wir geradeaus in den Wald folgen. Bald führt eine Treppe zu einem Steintisch an einer verschlossenen Höhle – wir steigen auf dem Pfad rechts davon an und gelangen durch steilen Wald zu einem kleinen Felspass (Blick zur Halbinsel Sa Foradada und zur Talaia de Son Galceran). Im sanften Auf und Ab weiter und rechts an einem Felsbrocken mit Kiefernbewuchs vorbei.
Achtung: Etwa 100 Schritte danach zweigen wir bei einem kleinen Steinmännchen scharf nach rechts auf einen schmalen Pfad ab. Dieser führt im Zickzack durch die Felsflanke empor, über einen Köhlerplatz und – links bleibend – bis vor eine Felskante oberhalb der Ermita. Dort scharf nach links und durch den steinigen, mit Steineichen bewachsenen Hang hinauf. Vorbei an weiteren Köhlerplätzen (Steinmännchen beachten!) gelangen wir in Serpentinen in eine sehr steile, erdige und von Felsen begrenzte Rinne, durch die wir kurz ansteigen.
Achtung: Nach etwa 50 m weisen uns Steinmännchen links über den Felsgrat. Dahinter lässt sich links ein naher Aussichtsplatz erklettern (Blick zur Ermita und bis zur Planícia). Unser Pfad führt nun flach auf schmalen, aber bewaldeten Terrassen durch die steinige Nordwestflanke der Talaia Vella, zweimal kurz etwas bergab. Achtung: Hier nicht zu früh nach rechts abzweigen – hier weisen Steinmännchen zum viel schwierigeren Pas de sa Paella!
Vor einer Geröllhalde kurz rechts bergauf. Wir überqueren den Schutt nach links und passieren einen nahen Köhlerplatz. Dann scharf nach rechts und auf einem breiteren, stellenweise aufgemauerten Weg bergan. Hier beginnen rote Punkte, die zusätzlich zu den Steinmännchen die Route vorgeben.
Bald wenden wir uns scharf nach links und steigen zu den Felsen empor. An ihrem Fuß geht’s neuerlich auf schmalen Bändern quer durch den steilen Waldhang und über eine breitere Terrasse zwischen den Wandabbrüchen. Wir gehen nochmals kurz bergab, an einem Mauerrest vorbei und wieder steil zu den Felsen hinauf. Dort nach rechts und auf einer schmalen Rampe, erdigen Bändern und kleinen Felsstufen zum obersten Wandaufbau. Mittendrin klafft eine steile, glatt-felsige Rinne, die sich mit Hilfe der dort angebrachten Eisenkette erstaunlich leicht erklimmen lässt. Im Anschluss erleichtert ein Seil den „Ausstieg“ in einfacher begehbares Waldgelände.
Dort folgen wir einem steil ansteigenden Waldpfad im Zickzack zu einem Köhlerplatz, von dem links ein alter, breiter und aufgemauerter Köhlerweg in Kehren bergwärts führt. Er bringt uns auf den flachen Waldrücken der Talaia Vella und – rechts eines Köhlerplatzes – zum Reitweg des Erzherzogs Ludwig Salvator (Steinmännchen).
Auf diesem scharf nach links und zur etwa 100 m entfernten Hüttenruine (Refugi de s’Arxiduc) auf dem aussichtsreichen Gipfel der Veià (871 m).
1 h 30 min

Abstieg: auf dem Reitweg in Serpentinen nach Osten in den Sattel des Coll de Son Gallard (766 m). Vor der dortigen Steinbank biegen wir links ab und wandern durch einen bewaldeten Graben abwärts. Nach dem Übersteigen einer Mauerbresche geht’s auf einem breiten, steinigen und Köhlerweg in Kehren durch die rechte Talseite am Fuße der Caragolí-Wände hinab, vorbei an Köhlerplätzen und einem aljub. Beim nächsten Köhlerplatz über die Linkskurve weiter, bei der folgenden Abzweigung rechts.
Unter den hohen Felsabstürzen der Veià erreichen wir den schluchtartigen Estret de Son Gallard – und einen Zaun, dessen Tor aus den Angeln gehoben wurde (weiter oben wurde der Draht auch niedergetreten). Gleich danach gehen wir von einer Abzweigung geradeaus auf dem Weg neben dem Zaun weiter (keinesfalls rechts absteigen – Privatgebiet der Finca Son Gallard). Wo der Zaun direkt an der Felswand endet, erwartet uns die nächste Wegteilung: wieder geradeaus bleiben und im sanften Auf und Ab am Fuße der Wand zu einem Mirador des Erzherzogs, der jedoch wegen der hohen Bäume rundum kaum Aussicht bietet.
Nun führt ein aufgemauerter Weg im Zickzack und stets links haltend Waldhang bergab. Hinter einem Zaun und einer Mauer (Lücke, Bresche) gehen wir eben wenige Schritte eben zu einem seltsamen Mini-Turm mitten im Wald, der zum Fang von Singvögeln adaptiert wurde. Am Weiterweg sehen wir rechts die Mauer mit dem Drahtzaun und links einen Köhlerplatz – dann erreichen wir eine Gabelung.
Es bestehen nun zwei Möglichkeiten für den Rückweg zur Ermita: 1) Der breite, geradeaus weiterführende Weg bringt uns nach einem kurzen, sanften Abstieg zum eindrucksvollen Mirador des Tudons. Von diesem originellen, über eine Freitreppe erreichbaren Aussichtsplatz genoss schon der Erzherzog den Blick auf sein Anwesen Miramar und zur Halbinsel Sa Foradada. Vorbei an einem Köhlerplatz, einem Kalkofen und Mauerresten erreichen wir eine Wegteilung knapp oberhalb der bereits hörbaren Küstenstraße. Links auf den Fahrweg einschwenken, in Serpentinen durch den Waldhang empor und an fünf weiteren Abzweigungen vorbei, wobei wir stets auf dem bergauf führenden Hauptweg bleiben (kleine rote Pfeile). Schließlich wird die Trasse schmaler und erreicht den löchrigen Zaun vor der Ermita de la Trinitat.
2) Der linke Weg schlängelt sich an Mauerresten, einem Kalkofen und einem ummauerten Sitzplatz mitten im Wald empor. Schließlich wird er zum Pfad und endet vor der alten Einsiedelei (Ses Ermites Velles, ca. 550 m). Wir durchschreiten das Viereck ihrer verfallenen Mauern, gehen dahinter an einem Wasserbecken vorbei und gehen dann links über kleine Stufen in einen Sattel mit großen Felsblöcken – dahinter verbirgt sich links eine Höhle (Cova Busquera). Wir steigen zu einem Köhlerplatz ab, überqueren diesen (nicht rechts hinunter!) und drei weitere, direkt hintereinander gelegene Köhlerplatz. Dann geht’s im Auf und Ab durch einen steinigen Waldhang und kurz talwärts – dann erreichen wir die bereits bekannte Abzweigung der „Kletterroute“ vor dem Felseinschnitt. Kurz zur Ermita de la Trinitat zurück.
1 h 30 min