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Welterbe Serra de Tramuntana

Der katalanische Begriff tramuntana bezeichnet den Norden auf der Windrose – und den kalten Nordwind, der von dort "über die Berge" weht. Damit ist auch schon die Lage der Serra de Tramuntana angedeutet: Der 88 km lange und bis zu 25 km breite Gebirgszug folgt der Nordwestküste Mallorcas von der Insel Dragonera, der „Dracheninsel“ in der Nähe von Andratx, bis zum Cap de Formentor auf der gleichnamigen Halbinsel bei Port de Pollença.

Das Gestein der Serra de Tramuntana – vor allem Kalk und Mergel – ist mehr als 200 Millionen Jahren alt. Es entstand als Sediment auf dem Meeresboden, und zwar aus den sterblichen Überresten von Milliarden Meereslebewesen und dem, was Flüsse von älteren Landmassen heranspülten. Vor etwa 20 Millionen Jahren, als die afrikanische Kontinentalplatte immer stärker nach Norden gegen die europäische drängte, wurden die verfestigten Sedimentschichten emporgehoben, zusammengedrückt, verfaltet und übereinander geschoben, wobei sich die Inselfläche um etwa 55% verkleinerte.

Das Ergebnis zeigt sich noch heute in vielen Bereichen der Serra de Tramuntana recht einheitlich: steile Felsabstürze gegen Nordwest und sanfter geneigte Hänge gegen Südost. So hat es der Dichter Miquel Costa i Llobera aus Pollença einmal beschrieben: „Sie sind wie große Wellen, die die Erde, von unermesslichem Sehnen ergriffen, aufgetürmt hoch in den angrenzenden Raum.“ Kein Wunder also, dass die Menschen ihre Insel einst roqueta (Felsen) nannten. 

Gleichzeitig begann die Erosion, an den frisch aufgetauchten Bergen zu nagen. Das Wasser zerfurchte die Steinwildnis, bildete Hochtäler und schuf zahlreiche wilde Schluchten, die heute die meiste Zeit des Jahres trocken sind. Mehr als 50 Gipfel erheben sich über 1000 m Seehöhe. Trotz dieser bescheidenen Höhen zeigt die Serra de Tramuntana ein recht raues Gesicht: Sie braucht keinen Vergleich mit den Kalkalpen oder den Abruzzen zu scheuen. Schon so manche Randerhebung umgürtet sich mit schroffen Felsabstürzen, die kaum einen Durchstieg freigeben. Einzelne Formationen – etwa die Felsburg Es Morralas bei Estellencs, der schlanke Felsturm Agulla des Frare am Puig Major oder die Nordwestwand des Fumat auf der Halbinsel Formentor – würden auch in den Dolomiten eine gute Figur machen.

Im März 2007 erklärte die Regierung der Balearen in einem Raumordnungsplan der natürlichen Ressourcen fast 62.000 ha der Serra de Tramuntana zum "Paraje Natural". Diese Bezeichnung ist jedoch international nicht anerkannt, was Naturschutzorganisationen kritisieren – so wie die Tatsache, dass die Gemeinden Andratx und Calvià völlig von den Schutzauflagen ausgenommen wurden.

Im Juni 2011 nahm die UNESCO die Serra de Tramuntana in die Liste des Weltkulturerbes auf.