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»Steinreiches« Mallorca – Trockensteinmauern

Sie sind allgegenwärtig auf der Insel: Mauern, ohne Mörtel oder Zement aus kantigen Steinen unterschiedlichster Größe zusammengefügt. Als man den Untergrund für Felder nutzbar machte, schichtete man die anfallenden Felsbrocken einfach an den Grundgrenzen oder als Viehzäune auf. So entstand durch die Jahrhunderte ein Netz von Trockensteinmauern, das eine Gesamtlänge von ca. 25.000 km erreicht hat – und für Pflanzen und Tiere zu einem eigenen Biotop wurde. So erhielt etwa das Wiesel den Namen donna di muri (Mauerdame).

Die Trockensteinmauern, die eine Höhe bis zu 1,5 m erreichen, weisen meist zwei parallele, leicht schräge Fassaden auf, die auf größeren Steinen stehen. Der Raum dazwischen ist mit kleineren Brocken gefüllt; die Mauerkrone besteht aus zwei Reihen von Steinen ungefähr gleicher Größe. Einige Mauern besaßen sogar Hohlräume – als Versteck für Schmuggler. Als Durchgang für das Vieh ließ man breite Öffnungen, die man mit Holzgattern absperrte; für zweibeinige Passanten stehen oft kleinere Pforten, Leiter-Überstiege oder auch stufenartige Trittsteine zur Verfügung. Regenwasser kann da und dort durch kleine Öffnungen am Boden abfließen. Selbst in Gebieten, die heute völlig entlegen und naturbelassen erscheinen, findet man noch heute Reste uralter Trockensteinmauern.

Mit Trockensteinmauern entstanden auch jene marjades (Terrassen), die eine Bewirtschaftung der steilen Berggebiete erst ermöglichten. Die Araber perfektionierten diese Technik, verbunden mit der Bewässerung durch gemauerte Quellen, Brunnen, Wasserleitungen und Auffangbecken. Auf den Anbauflächen kultivierte man vor allem Oliven-, Mandel-, Aprikosenbäume, Zitrusfrüchte, Wein und Gemüse. George Sand schreibt in ihrem Buch „Ein Winter auf Mallorca“ über die Umgebung von Establiments: „Rund um uns herum war der ganze Anbau an den fruchtbaren Hängen in Form von Stufen angelegt, die sich in unregelmäßiger Form um die Hügel herumwinden. Diese Terrassenkultur, die auf der ganzen Insel verbreitet ist, wird dauernd von den Regengüssen und den plötzlich anschwellenden Bächen bedroht. Sie ist aber ideal für die Baumkulturen und gibt der ganzen Landschaft das Aussehen eines bewundernswert gepflegten Obstgartens …“

Allein in der Serra de Tramuntana entstanden etwa 15.000 km solcher Stützmauern, die auch die Erosion des Bodens verhindern. Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis dieser Kulturen findet man rund um Banyalbufar, wo nicht nur die Terrassen (bis zu 70 Stufen übereinander!), sondern auch die dazugehörigen Bewässerungsanlagen noch immer in Gebrauch stehen.

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