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Schneehäuser auf Mallorca

Schnee suchen auf Mallorca? Es klingt unglaublich, und doch findet man mehr als 40 Ruinen von cases de neu (Schneehäusern) auf der Insel. Die ältesten Dokumente über diese merkwürdige Profession weisen bis ins Jahr 1595 zurück. Bis 1927 stand die letzte dieser 4 bis 8 m tiefen und bis zu 16 m langen, in Trockenbauweise ausgekleideten Gruben in Gebrauch. Als es noch keine Kühlschränke gab, trugen die nevaters (Schneesammler) den winterlichen Schnee zusammen und verdichteten ihn in diesen Gruben zu Eis. Dieses überdauerte dort – geschützt unter Asche, Salz, Reisig und einem Grasdach – bis in den Sommer hinein.

Die Mauern der meisten Schneehäuser ragten etwa 1 m über den Boden hinaus und hatten an ihrer Schmalseite eine Öffnung, hinter der man auf einer Leiter oder mittels Wandvertiefungen ins Innere hinuntersteigen konnte. An ihrer Längsseite bestanden Fenster, durch die der Schnee eingefüllt wurde. Das einzige Schneehaus, das mit einem Steindach geschützt ist, duckt sich unter die Felswand des Puig de Ca südwestlich von Pollença. Neben vielen Schneehäusern standen rechteckige Hütten für die Arbeiter. Da und dort erleichterten angelegte Terrassen das Schneesammeln; Trockensteinmauern grenzten die „Erntegebiete“ voneinander ab.

Im Sommer transportierte man das kalte Gut nach und nach ins Tal hinab – nachts auf dem Rücken von Eseln oder Maultieren, die auf eigens angelegten Schneesammlerwegen dahintrabten. Man verwendete das Eis vor allem zur Kühlung von Lebensmitteln oder für medizinische Zwecke, aber auch zur Herstellung von Erfrischungsgetränken und Speiseeis.

Juan Martorell, genannt Juan de s'Aigo, soll diesen Wirtschaftszweig im 18. Jahrhundert in größerem Stil etabliert haben. Das Café Can Joan de s’Aigo in Palma (Carrer Can Sanç nahe der Kirche Santa Eulalia) steht noch heute in der Tradition des „Wasserhannes“. Genießen Sie dort das hervorragende Mandeleis im Gedenken an diese seltsame Profession.

Die meisten Ruinen von Schneehäusern findet man in den höheren Lagen der Serra de Tramuntana: rund um den Puig Major, im Massiv der Massanella und des Puig d’en Galileu, unterhalb des Tomir-Gipfels oder im Bereich des Puig des Teix. Ein sehr tief gelegenes Schneehaus besteht am Fuße der Sa Comuna bei Valldemossa – und sogar in den Bergen bei Artà gab es eines auf nur 200 m Seehöhe!

Fotos

Oben: Eines der höchstgelegenen Schneehäuser Mallorcas liegt unter dem Gipfel der Penya des Migdia (Puig Major).

Rechts: eine noch gut erhaltene Grube am Weg der Schneesammler zum Coll des Prat (gesehen vom Grat des Puig de Massanella) und das Schneehaus am Puig Tomir. Ein nachgebautes Schneehaus kann man in Caimari betrachten – und das beste Mandeleis gibt's im Café Can Joan de s'Aigo in Palma!