Olivenbaeume
  • Oliven
  • Schaf im Olivenhain
  • Olivenbaum mit Eselskopf

Mallorcas Olivenbäume

Die Phönizier und die Griechen brachten den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel und nach Mallorca; die Intensivierung des Olivenanbaus geht wohl auf die Araber zurück.

Die ersten schriftlichen Hinweise auf Olivenhaine finden sich im 15. Jahrhundert; der älteste wissenschaftlich untersuchte Olivenbaum der Insel steht bei Artà und stammt aus dem Jahre 1314. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil der Olivenbäume auf Mallorca zwischen 300 und 500 Jahre alt ist. Diese „Methusalems“ liefern aufgrund der intensiven Nährstoffe, die ihr Holz speichert, aromatischere Früchte als jungen Pflanzen. Die Veredelung erfolgt seit jeher durch das Aufpfropfen auf einen jungen Wildstamm.

Bis zum 16. Jahrhundert rodeten die Mallorquiner große Waldflächen, um Olivenhaine anzulegen. Bis ins 19. Jahrhunderts war das Olivenöl einer der wichtigsten Exportartikel der Insel und eine Haupteinnahmequelle vieler Landgüter, die über eigene tafones (von Maultieren angetriebene Ölmühlen) verfügten. Öl galt als Grundnahrungsmittel und Tauschware für Einfuhrprodukte wie etwa Weizen.

Die kalkhaltigen Böden mit ihren feinen Zwischenschichten an Tonerde, aber auch die klimatischen Bedingungen und die hohe Luftfeuchtigkeit fördern die Entwicklung von besonders aromatischen Früchten. Zum Anbau der Oliven gehört auf Mallorca seit jeher die Schafzucht. Die Tiere haben sich den Bedingungen der Kulturen gut angepasst, vertilgen das Unkraut und liefern organischen Dünger.

Olivenkulturen findet man in allen Gemeinden der Insel. Im Bereich der Inselebene sind sie recht ertragreich, dort beginnt die Ernte – mit mit Maschineneinsatz – im Oktober. Im Bergland steigen sie bis zu einer Seehöhe um 700 m empor. Typisch für das Gebirge sind die zahllosen mit Trockensteinmauern angelegten Terrassenbeete, die nach Süden ausgerichtet und gegen die kalten Nordwinde geschützt sind. Diese kleinräumigen Strukturen machen den Einsatz von Maschinen fast unmöglich; der Ertrag ist viel kleiner als in der Ebene: Die die Oliven werden dort erst etwas später vom Boden aufgelesen, wenn sie ganz reif sind.

Im 20. Jahrhundert warf der Olivenanbau immer weniger ab. Wie Wanderer allerorten sehen, verwildert heute mehr als die Hälfte der Kulturen. Im Jahr 2003 umfassten die Anbauflächen in den Bergen noch etwa 9000 ha, dazu kamen etwa 400 ha in der Ebene. Von den einst so zahlreichen Ölpressen sind nur noch zwei Betriebe in Sóller und einer in Caimari in Betrieb. Das dort hergestellte Qualitätsöl hat allerdings einen Aufwärtstrend eingeleitet: Die Flächen der Kulturen nehmen inzwischen wieder zu. Heute gedeihen ungefähr 750.000 Olivenbäume auf Mallorca.

Der Olivenbaum, der bis zu 5 m hoch werden kann, ist anspruchslos und braucht keine künstliche Bewässerung. Er liebt aber Licht und Wärme, daher muss er – soll er gute Ernte bringen – alle paar Jahre gelichtet werden. Durch diese Beschneidung (und möglicherweise auch durch den Einfluss der Erdrotation) entstanden im Lauf der Jahrhunderte bizarr verdrehte Baumgestalten, die mit einiger Fantasie an Drachen, Kamele oder Kobolde erinnern. Bei einer Wanderung durch die uralten Olivenhaine im Barranc de Biniaraix oder im Gebiet von Muleta bei Sóller werden Sie dutzenden solcher Exemplaren begegnen.

Fotos

Oben: die Strukturen eines jahrhundertealten Olivenbaumes

Rechts: reife Oliven, ein junges Schaf im Hain und ein Eselskopf, von der Natur geformt