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Mandeln

Von Mitte Januar bis Mitte Februar werden Teile der Insel in duftende, weiße oder zart rosarote Wolken getaucht: Für viele ist die Zeit der Mandelblüte die schönste des Jahres. In warmen Wintern öffen sich die ersten Blüten der Mandelbäume schon Ende Dezember, in kälteren Jahren schweben die letzten Reste der Pracht erst im März zu Boden. Der Beginn dieses Naturwunders ist auch vom Standort abhängig: Die ersten Bäume erstrahlen im klimatisch begünstigten Süden und Südosten, wo sich rund um Llucmajor, Santanyí und Felanitx größere Mandelplantagen befinden, die letzten im Raiguer um Selva und in einigen Gebieten der Serra de Tramuntana, wo die Blüten manchmal sogar mit dem Glanz schneebedeckter Berge wetteifern. Wer die Mandelblüte von oben betrachten möchte, besuche das Santuari de Cura auf dem Berg von Randa oder das Bergdorf Galilea. 

Man schätzt, dass es auf Mallorca sechs bis sieben Millionen Mandelbäume gibt; etwa 250.000 davon wachsen wild. Die Araber sollen die ursprünglich aus Mittel- und Vorderasien stammende Süßmandel (prunis dulcis) um das Jahr 900 auf die Insel gebracht haben. 1000 Jahre lang zählte die mallorquinische Mandel mit ihrem herb-süßen Geschmack zu den wichtigen Exportgütern Mallorcas. Nachdem die Reblausplage am Ende des 19. Jahrhunderts den Weinbau fast zum Erliegen brachte, planzte man auf vielen Flächen zusätzlich Mandeln. Ende der 1930er-Jahre galt die Insel als das größte zusammenhängende Mandelanbaugebiet der Welt. 

Die aromatischen Kerne der hartschaligen Früchte sind unverzichtbare Zutaten in der traditionellen mallorquinischen Küche; man benötigt sie für Kuchen, Backwaren, Marzipan, Likör oder Süßigkeiten wie den weihnachtlichen turrón (Nougat und Mandelkrokant). Mandeln finden aber auch in der Pharmazie Verwendung. Es gibt sogar ein Parfüm aus Mandelblüten ("Flor d'Ametler"), dessen Herstellung zwei Jahre lang dauert. 

Heute produziert man in Valencia oder Kalifornien mit viel Maschineneinsatz gleichförmige Mandelkerne, die in der Lebensmittelindustrie leichter verarbeitet werden können. Obwohl sich der Anbau auf Mallorca also kaum mehr lohnt (und viele Früchte von Mandelratten "geerntet" werden), ist trotzdem ein leichter Aufwärtstrend festzustellen: Durch die touristische Bedeutung der Mandelblüte und von Hand geerntete Qualitätsprodukte bekommt der Mandelbaum wieder eine Chance. Erst kürzlich wurden 70.000 neue Bäume gesetzt. Die mallorquinischen Mandeln, die durch ihren hohen Fett- und Zuckergehalt besonders wohlschmeckend sind, erschließen mit dem Gütesiegel "Ametlla mallorquina" neue Märkte.

Kultiviert werden übrigens nach wie vor an die 200 verschiedene Sorten – jede mit einem unterschiedlichem Beginn der Blütezeit und somit einer eigenen Blütenfarbe zwischen weiß, gelblich und rosa. Die Mandelernte beginnt im Sommer und dauert bis in den September; der Ertrag liegt je nach den Witterungsverhältnissen zwischen 6000 und 12.000 Tonnen.