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Kalköfen auf Mallorca

Kalk war ein gefragtes Material für das Baugewerbe – als Bindemittel für den Mörtel oder als Maueranstrich. Wo möglichst reiner Kalkstein vorhanden war, grub man ein etwa 2 m breites und tiefes Loch in einen abschüssigen Hang. Dieses kleidete man mit einer Steinmauer und einer Schutzschicht aus Lehm aus; zuletzt entstand aus großen Steinen eine Art Gewölbe darüber. Frei blieben nur Spalten für die Luftzufuhr und eine Öffnung zum Einfüllen des Brennmaterials.

Das Feuer, das dann unter den eingefüllten Kalksteinen entfacht wurde, erzeugte Temperaturen um die 1000 °C, bei denen das Kohlendioxid entweicht und reiner Kalk zurückbleibt. Jeder Brennvorgang dauerte zwischen einer und drei Wochen und verschlang um die 10 t Holz. Dies erbrachte etwa 100 bis 300 t Kalk, den man mit Wasser „löschte“. Ungelöschter Kalk fand u. a. als Desinfektionsmittel Verwendung.

Reste von Kalköfen findet man überall auf der Insel, wo es geeignetes Kalkgestein gibt – vor allem aber auf der Südostseite der Serra de Tramuntana, von wo man den Kalk relativ einfach in die Hauptstadt Palma bringen konnte.

Foto

Ein gut erhaltener Kalkofen oberhalb von Port d'Andratx