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  • F100055
  • Treppe
  • Wagen im Wald
  • Trittsteine Barranc de Biniaraix

Historische Wege

In alten Quellen ist von „Straßen der Sarazenen“ die Rede – ein Hinweis darauf, dass es schon zur Zeit der Araber ein Wegenetz auf Mallorca gab. Bis zum 18. Jahrhundert wurden die Verbindungswege mehr oder weniger ausgebaut. Viele davon sind heute unter Asphalt und Beton verschwunden; manche Routen der Hirten und Holzfäller, Fischer, Köhler, Soldaten und Pilger kann man aber heute noch begehen. Es gab eigene Postwege, angelegte Pfade für den Schneetransport aus dem Gebirge oder flache Wegtrassen zur Versorgung von Leuchttürmen. In unzugänglichen Küstenbereichen findet man noch kühn angelegte Mauerreste von Schmugglerpfaden. Erzherzog Ludwig Salvator ließ sogar Wege ganz ohne wirtschaftlichen Zweck erbauen – von seinen verzweigten Reitwegen im Massiv des Puig des Teix zwischen Deià und Valldemossa konnte er seine Ländereien gut überblicken.

Die wichtigsten Wege und Straßen waren stellenweise mit Steinen gepflastert und in den steileren Abschnitten mit Stufen versehen. Manche Abschnitte wurden, um Bodenunebenheiten auszugleichen, erhöht wie Dämme gebaut. Oft war daneben der Bau von Stützmauern, Wasserabflussgräben, Brücken, Furten mit Trittsteinen oder Geländern notwendig. Den mallorquinischen Landstraßen stellte George Sand in ihrem Buch „Ein Winter auf Mallorca“ jedoch ein schlechtes Zeugnis aus: „Und so reist man: Hohlwege, Schluchten, Schlammlöcher, Hecken oder Dornensträucher dazwischen … In der Nähe der Städte sind die Straßen ein bisschen weniger gefährlich. Sie haben aber den großen Nachteil, dass sie zwischen zwei Mauern oder Gräben eingeengt sind, was verhindert, dass sich zwei entgegenkommende Wagen kreuzen können. Wenn das der Fall ist, müssen die Ochsen vom Karren oder die Pferde von der Kutsche abgespannt werden, damit eines der Gefährten einen oft langen Rückweg beginnt.“

Selbst bei der Realisierung spektakulärer Straßenprojekte im 20. Jahrhundert – etwa der Sa-Calobra-Straße oder der Verbindung von Caimari nach Lluc in der Serra de Tramuntana – entstanden hohe Trockensteinmauern. Dann schien die Kunst der margers (Steinsetzer) und der mestres de paret (Mauerbaumeister) verloren zu gehen. Heute wird sie wieder gelehrt: Der Escola de Margers del Consell de Mallorca (Mauerbauerschule), die bereits mehr als 100 Menschen ausgebildet hat, ist u. a. die kunstvolle Renovierung alter Post-, Pilger- oder Schneesammlerrouten im Verlauf der Weitwanderwege GR-221 und GR-222 zu verdanken.

Fotos

Oben: der alte Weg zum Leuchtturm über dem Cap de Formentor

Rechts: Details des renovierten Pilgerweges durch den Barranc de Biniaraix und der kunstvoll angelegten Wegverbindung von Alaró nach Orient, darunter ein alter Wagen und Trittsteine, auf denen man über einen Bach balanciert