Mallorcas Höhlen

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  • Cova des Moro Muleta
  • Avenc de Son Pou Saeule

Steter Tropfen höhlt den Stein. Auch auf Mallorca, wo das kohlendioxidhältige Regenwasser wie in allen Karstgebieten in Millionen Jahren unzählige Klüfte aus dem Kalkgestein löste. Da und dort erweiterten sich diese zu tiefen Schächten, verwinkelten Gängen und unterirdischen Gewölben, in denen sich der gelöste Kalk stellenweise wieder als Sinter- und Tropfsteinschmuck ablagerte. Schon die Ureinwohner Mallorcas nutzten Höhlen als Behausung, Schlupfwinkel oder Jagdfalle – etwa die Cova de Muleta bei Port de Sóler. Später verbargen sich Piraten und Flüchtlinge in so manchem Schlund.

 

Mehr als 3000 Höhlensysteme wurden bisher auf der Insel entdeckt – damit verfügt Mallorca über die meisten Höhlensysteme pro Quadratkilometer in Europa. Manche Vertiefungen sind nur wenige Meter lang, andere weisen riesige Dimensionen auf. Die tiefste Höhle, die bis jetzt erforscht wurde, ist mit rund 317 m die Cova de Sa Campana im Gemeindegebiet von Escorca in der Serra de Tramuntana. Dort entdeckte man die "Sala de la Gràcia" im Ausmaß von 145 m x 100 m und einer Höhe von mehr als 30 m – dieser unterirdische Raum könnte sogar die Kathedrale von Palma unterbringen. Die Höhle birgt auch den tiefsten bisher erforschten Punkt Mallorcas – über 300 m unter der Erdoberfläche. Als die längste Höhle gilt derzeit die Cova des Pas de Vallgornera im Süden der Insel; bisher wurden dort 72 km lange Gangsysteme erkundet.

 

Aus dem Jahre 1399 ist die erste Höhlenexpedition überliefert: Damals suchten wagemutige Männer in den Coves del Drac, der sagenumwobenen "Drachenhöhle" bei Portocristo, nach dem sagenhaften Schatz des vertriebenen Templerordens. 1878 verirrten sich drei Katalanen im Labyrinth der Gänge – als sie endlich wieder ins Tageslicht zurückfanden, berichteten sie von unglaublichen Wunderdingen in der Tiefe. Erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die wissenschaftliche Erforschung der ersten Höhlen auf Mallorca. Heute sind fünf Höhlen für touristischen Besuch erschlossen.

 

Fotos

Oben: Die Coves dels Hams bei Porto Cristo seien jenen empfohlen, die ihre Erlebnisse gerne auf Bildern festhalten: Man darf ihre bizarr-zerbrechlichen Schätze ohne Blitzlicht fotografieren (Tipp: Mini-Stativ mitnehmen).

Rechts: Neben den erschlossenen Höhlen lassen sich einige Felsschlünde auch von "Normalsterblichen" erkunden – etwa die (sehr verborgene) Cova des Moro in der Nähe von Sóller oder der Avenc de Son Pou bei Santa Maria del Camí.

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