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Urzeit, Antike, arabische Epoche

Hospitalet Vell Saeule

ab 7200 v. Chr.
Früheste Spuren jungsteinzeitlicher Höhlenbewohner, die vermutlich von Spanien oder Südfrankreich kamen.

ab 1700 v. Chr.
Die Menschen errichten erste Behausungen und Grabbauten.

ab 1300 v. Chr.
Die Reste von mehr als 200 (z. T. befestigten) Dörfern bezeugen die jahrhundertelange Talaiotkultur.

ab 654 v. Chr.
Karthago kontrolliert den Handel im westlichen Mittelmeer und gründet Niederlassungen auf Eivissa (Ibiza). Viele der gefürchteten mallorquinischen Steinschleuderer verdingen sich als Söldner – oder als Piraten. Auch Griechenland bemüht sich um Einfluss auf Mallorca.

123 v. Chr.
Der römische Feldherr Quintus Caecilius Metellus landet an der Bucht von Alcúdia und besetzt die Insel. Die nachfolgenden Siedler gründen die Städte Pollentia (beim heutigen Alcúdia) und Palma. Die Römer bringen nicht nur ihren Lebensstil und die Amtssprache Latein mit, sondern auch Ölbäume, Weizen und Weinstöcke. Sie bauen die ersten Straßen und fördern 500 Jahre lang den Exporthandel.

im 3. Jahrhundert
setzt sich das Christentum durch.

um 200
Erste Spuren des Christentums auf Mallorca.

456
Die Vandalen erobern das römische Mallorca. Sie belassen zwar die Sozial- und Wirtschaftsstrukturen, setzen aber mit grausamer Härte den Arianismus durch.

534
Byzanz besiegt die Vandalen in Nordafrika und gliedert die Insel ins Oströmische Reich ein.

707
Die Araber überfallen zum ersten Mal Mallorca. Die Insel wird zwar nicht okkupiert, aber in der Folge oft von maurischen Piraten heimgesucht.

902
Die Araber, die seit 711 fast ganz Spanien erobert haben, unterwerfen nun auch Mallorca. Sie bauen das in Alcúdia umbenannte Pollentia wieder auf und befestigen mehrere Burgen. Auch die Stadt Palma, die sie Medina Mayurca nennen, erhält Wehranlagen – hinter denen bald 80.000 Menschen leben.  Während der folgenden 300 Jahre führt die orientalische Kultur zu einer neuen Blüte des Landes: Orangenplantagen, Mandelkulturen und Reisfelder entstehen, die künstliche Bewässerung für den Obst- und Gemüseanbau wird perfektioniert, üppige Gärten umgeben Paläste und Bibliotheken. Mallorca wird zu einem großen Umschlagplatz im westlichen Mittelmeerraum – gehandelt wird vor allem mit Gold, Leder, Holz, Textilien, Keramik, Papier, Lebensmitteln, Gewürzen – und mit Sklaven. Italiener und Provenzialen errichten Handelsvertretungen auf der Insel. Viele Orts- und Hofnamen, die mit al-, ban- oder bini- beginnen, erinnern heute noch an die maurische Epoche.

1115
Aufgrund der anhaltenden Piraterie der Araber unternehmen die Seemächte Pisa und Genua eine Strafexpedition nach Mallorca. 30.000 Soldaten plündern Medina Mayurca, befreien christliche Sklaven und verschleppen ihrerseits tausende Mallorquiner. Mit der Beute finanziert Pisa seinen Dom.

1162
Die Genueser überfallen Mallorca nochmals.

1202
Nach Scharmützeln zwischen rivalisierenden arabischen Dynastien und Glaubensrichtungen besetzen die nordafrikanischen Almohaden die Insel. In der Folge kommt es zu einer letzten kurzen Blütezeit.

13. bis 19. Jahrhundert

Jaume I

1229
Die spanischen Christen, die bereits Teile des spanischen Festlandes zurückerobert haben, besiegen die Araber auf Mallorca. Am 1. September bricht König Jaume I. (1213-1276) mit 300 Rittern, 13.000 Soldaten und 160 Schiffen vom spanischen Festland auf und landet – nach zwei dramatischen Stürmen – 12 Tage später bei Santa Ponça. Am 31. Dezember fällt die belagerte Hauptstadt Medina Mayurca, doch erst ein Jahr später wird der letzte maurische Widerstand auf dem Castell d’Alaró und im Nordosten Mallorcas gebrochen. Nach der grausamen Verfolgung aller Araber, die sich nicht taufen lassen, beginnt der Bau der Kathedrale von Palma auf den Grundmauern der zerstörten Hauptmoschee. Das Grundeigentum wird zur Gänze unter Mitstreitern, weltlichen oder kirchlichen Financiers und Günstlingen aufgeteilt. Dies legt den Grundstein für den großbäuerlichen Privatbesitz, der im Wesentlichen bis heute besteht.

1276
Der jüngere Sohn des Eroberers, Jaume II., erbt die Balearen zusammen mit Sardinien, Montpellier und dem Roussillon. Er gründet das selbständige Königreich Mallorca – sehr zum Missfallen seines Bruders Alfons II., dem neuen König von Aragó. Unter Jaume II., Sanxo I. und Jaume III. blüht Mallorca jedoch wirtschaftlich und kulturell auf: Palma wird zu einer der wichtigsten Handelsstädte im Mittelmeerraum, und Ramon Llull etabliert das Katalanische als eigenständige Literatursprache.

1343
Nach einem vergeblichen Versuch besetzt Pere III. von Aragó die Insel schließlich doch. Jaume III. flüchtet und versucht vergeblich sie zurückzuerobern: 1349 fällt er in der Schlacht von Llucmajor. Ein Drittel der Bevölkerung geht an der Pest zugrunde. Es beginnt ein jahrhundertelanger Niedergang, gekennzeichnet von Piratenüberfällen und der Ausbeutung der verarmten Landbevölkerung. Dies führt wiederholt zu blutigen Aufständen. Die Hauptstadt Palma entwickelt sich jedoch zu einem wichtigen Handelsplatz des Mittelmeerraumes. Mallorcas Seefahrer sowie seine See- und Landkarten genießen Weltruf.

1701
Durch die Heirat Isabellas von Kastilien mit Ferdinand II. von Aragó entsteht ein spanisches Großreich, in dem Mallorca – auch durch die Entdeckung Amerikas – kaum mehr eine Rolle spielt. Die Inquisition nimmt ihre Schreckenstätigkeit auf, und Seeräuber terrorisieren die Küstengebiete. Erst ab 1571, nach der Zerstörung der türkischen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto, wird die Bedrohung durch die Piraten geringer (sie bleibt jedoch bis ins 19. Jahrhundert). Die Edelmetalle aus den neuen Kolonien bringen neuen Wohlstand für die Städte – die Landbevölkerung verarmt jedoch immer mehr.

1702
Im Spanischen Erbfolgekrieg setzt Mallorca wie Katalonien auf die Habsburger – und verliert. Der siegreiche Bourbone Phillip V. schafft alle verbliebenen Verwaltungsorgane ab und verbietet die katalanische Sprache. Trotz vieler Bemühungen zur Erneuerung und Förderung des Landbaus – etwa durch den verstärkten Anbau von Kartoffeln oder Zitrusfrüchten – verhindern innenpolitische Auseinandersetzungen, Epidemien und Landflucht eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung. Auch die Vernichtung sämtlicher Weinstöcke durch die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts bedeutet einen schweren Schlag. Bis in die 1940er-Jahre bleibt Mallorca ein Auswanderungsland – viele zweitgeborene Söhne suchen ihr Glück in Frankreich, Süd- oder Mittelamerika.

ab 1835
Die ersten ausländischen Gäste kommen nach Mallorca: 1838 verbringen Frédéric Chopin und seine Gefährtin George Sand einen „Winter auf Mallorca“ in Establiments und Valldemossa - das gleichnamige Buch der streitbaren Baronin steht neben wenigen früheren Veröffentlichungen am Beginn einer unübersehbaren Reihe von Reisebeschreibungen. 1867 begründet der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator seine lebenslange Liebe zu den Balearen; sein mehrbändiges Werk über die Inselgruppe weckt auch auf der Weltausstellung von 1899 touristisches Interesse. 1901 eröffnet das erste größere Hotel in Palma seine Pforten, 1905 wird der mallorquinische Fremdenverkehrsverband gegründet.

20. Jahrhundert & Gegenwart

Hafen 1950

ab 1914 Während der beiden großen Weltkriege bleibt Spanien neutral und damit von kriegerischen Handlungen weitgehend verschont. Diese Neutralität verhilft auch dem mallorquinischen „Schmugglerkönig“ Joan March zu großen Gewinnen. Während des Spanischen Bürgerkriegs finanziert March die Aktionen General Francos – wohl eines Sinnes mit dem Großteil der Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen Republikanern und Faschisten sind auf Mallorca nur kurz, fordern jedoch erhebliche Opfer. In den Jahren der Diktatur ist Mallorquí so wie alle Regionalsprachen Spaniens verboten. Damit wird die Eigenständigkeit der Insel auch am Beginn des touristischen Aufschwungs kaum wahrgenommen.

1935 Bessere Fährverbindungen bringen mehr Gäste nach Mallorca: An der Bucht von Palma und an der Cala d’Or entstehen die ersten Hotelsiedlungen, die Statistik berichtet von fast 50.000 Übernachtungen.um

1950 landen die ersten Chartermaschinen.

um 1955 Der große Nachkriegs-Tourismusboom beginnt mit „Tour-Operators“, die billige Urlaubsreisen samt Flug und Unterkunft organisieren und mit wachsendem Erfolg verkaufen. Die wirtschaftliche Erholung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg und die rasante Entwicklung im Flugzeugbau führen zu einer rasch wachsenden Freizeitindustrie – und zu einem ungehemmten Bauboom in den Küstenregionen, dem einst ärmsten Bereich Mallorcas. 1961 wird der Flughafen Son Sant Joan bei Palma eröffnet, er zählt gleich im ersten Betriebsjahr mehr als eine Million Passagiere.

1975 Nach dem Tod Francos leitet sein Nachfolger, der auch auf Mallorca hoch verehrte König Juan Carlos I., den Übergang zur Demokratie ein.

1977 Das Jahr der ersten freien Wahlen – und die Geburtsstunde der Umweltschützer: Junge Menschen aus Palma protestieren mit Luftmatratzen und Schlauchbooten gegen die Verbauung der Insel Dragonera bei Sant Elm – mit Erfolg. Das gegenüber liegende Gebiet um La Trapa blieb dank des Widerstands der G.O.B. (Grup Balear d’Ornitologia i Defensa de la Naturalesa) ohne Hotels, ebenso wie der Sandstrand Es Trenc bei Campos und die Cala Mondragó.

1983 Die Balearen erlangen Autonomiestatus, mit dem auch eine „Wiedergeburt“ der eigenständigen Kultur und Sprache Mallorcas einhergeht. Català (Katalanisch) steht seither als offizielle Landessprache gleichberechtigt neben dem hochspanischen Castellano, verdrängt dieses jedoch immer mehr: Praktisch alle Straßenschilder sind bereits ausgewechselt (und damit auch so manche Namen, die an die Franco-Zeit erinnerten); viele Landkarten zeigen nur noch die mallorquinischen Ortsnamen (z.B. Sa Pobla statt La Puebla). Nur Hotels und Restaurants setzen ihr Angebot meist noch in Spanisch und den Sprachen ihrer Hauptgäste auf ihre Prospekte und Speisekarten.

1997 Fertigstellung des neuen Großflughafens Son Sant Joan. An Spitzentagen werden mehr als 120.000 Passagiere abgefertigt.

ab 2000 Auf dem Höhepunkt des „Mallorca-Booms“ besuchen etwa 10 Millionen Touristen – davon 3,5 Millionen aus Deutschland – die Insel.

2003 verbringen nur mehr 2,4 Millionen Deutsche ihren Urlaub auf Mallorca – aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in der Heimat, aber auch wegen negativer Medienberichte und der Einführung einer (geringen) „Ökosteuer“. Gleichzeitig forciert die Inselregierung den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes – etwa mit dem Neubau der Eisenbahnlinien von Inca nach Manacor und Sa Pobla.

2004 erfolgt der rasche Bau neuer Autobahnen und Schnellstraßen, gegen den sich auf der Insel großer Protest regt. In der Hotellerie setzt sich der Trend zu mehr Qualität weiter durch. Nach und nach werden einige Wander- und Radwege beschildert.

2007 tritt das neue Statut der Autonomen Gemeinschaft der Balearen in Kraft mit weitreichenden Befugnissen für die Inselregierung in Kraft.

2008 ist wieder ein sehr erfolgreiches Jahr für den Tourismus. 9.9 Millionen Menschen besuchen die Insel, darunter 3,7 Millionen deutsche Gäste.

2009 Die Wirtschaftskrise erfasst auch Mallorca. Sie führt ebenso zu einem Rückgang er besucherzahlen wie zwei Bombenanschläge der baskischen ETA (zwei Polizisten in Palmanova).

2011 Die Finanzlage der Insel ist äußerst angespannt, die Arbeitslosigkeit steigt nun auch auf den wirtschaftlich bisher gut gestellten Balearen enorm (Spanien: 30 %).