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Die Regionen der Insel

Migjorn – Mallorcas heißer Süden macht seinem Namen („Mittag“) alle Ehre. In diesem flachen Landstrich zwischen dem Südkap Mallorcas und einigen Hügeln im Norden ist noch viel Ursprüngliches zu entdecken: weite Felder, die noch bestellt werden und denen der zentrale Ort Campos seinen römischen Namen verdankt, Reste prähistorischer Talaiots, die Salinen im Hinterland der berühmten Platja des Trenc, die Ruine des Castell de Santueri und das wehrhaft befestigte Santuari de Sant Salvador auf den Bergen über Felanitx, aber auch die recht ursprünglich gebliebenen Fischerhäfen von Portocolom und Cala Figuera.
Es gibt noch viel Platz im bäuerlich geprägten Land hinter dem Südkap Mallorcas, rund um Ses Salines und Llucmajor, der flächenmäßig größten Gemeinde Mallorcas.

Llevant – Ferien am Fjord. Die Gemeinden Manacor, Sant Llorenç des Cardassar, Son Servera, Capdepera und Artà besetzen den Osten und Nordosten Mallorcas. Es ist ein vielgestaltiges Land zwischen der von Felsfjorden gegliederten Küste und den einsamen Gipfeln der Serres de Llevant, einer Gruppe von Bergen, die sich auf der Halbinsel von Artà erheben und die Küste in südwestlicher Richtung begleiten. Manacor, die zweitgrößte Stadt der Insel, entwickelte sich zur wirtschaftlichen Drehscheibe dieser Region, während Capdepera und Artà bauliche Schmuckstücke geblieben sind: Beide Orte breiten sich zu Füßen burgartig befestigter Berge aus – im einen Fall schützten die mittlerweile perfekt renovierten Mauern einst das ganze Dorf vor den Piraten, im anderen eine doppeltürmige Wallfahrtskirche.
Die Ostküste mit ihren Sandstränden und Minibuchten erfreut sich höchster Touristengunst. Die längste Sandmeile besitzt die Hotelsiedlung Cala Millor. Intensiv – oft allzu intensiv – erschlossen sind auch der Nachbarort Sa Coma, die Cala Murada mit ihrer Lagune, die Cales de Mallorca oder die Cala Romantica (S’Estany d’en Mas). Der Hafenort Porto Cristo gilt als besonderes Ausflugsziel, da gleich an seinem Ortsrand die beiden berühmtesten Tropfsteinhöhlen Mallorcas zu besichtigen sind. Feine Sandstrände gibt es schließlich auch im Nordosten der Insel, im Umkreis des Hafens Cala Rajada. Die wunderbare Cala Mesquida nördlich von Capdepera fasziniert mit den eindrucksvollsten Sanddünen der Insel.

Es Pla – die flache Mitte. Die 600 km² große Ebene im Herzen der Insel wird meist nur Es Pla genannt. Sie gilt als die Kornkammer Mallorcas: Angebaut werden hier u. a. Kartoffeln, Reis, Mais, Gemüse, Kapern und auch Wein. Außerdem gibt es zahlreiche Mandelbäume, die im Winter wie ein Meer von rosa und weiß blühender Blütenpracht erscheinen. Ganz flach ist die Ebene übrigens nicht, denn man findet hier auch einige Hügel und Berge wie das 542 m hohe Massiv von Randa an der Grenze zum Migjorn. Ganz im Norden läuft sie in der weiten Bucht von Alcúdia und den davor gelegenen Sümpfen der S’Albufera aus. Dazwischen liegen Dörfer, in denen das Arbeitsjahr wie ehedem seinen altgewohnten Gang geht: Sa Pobla, Santa Eugènia, Sencelles, Costitx, Algaida, Lloret de Vistalegre, Sineu, Llubí, Muro, Montuïri, Sant Joan, Maria de la Salut, Santa Margalida, Porreres, Vilafranca de Bonany und Petra sind weit vom Strandtourismus entfernt. Laut der Volkszählung von 2006 leben hier insgesamt 50.243 Menschen – das sind weniger als in den Gebirgsgemeinden der Serra de Tramuntana. 
Die beste Möglichkeit, den Pla kennen zu lernen, bietet das Fahrrad: Man muss den manchmal durchaus rauen Wind spüren, der über die endlosen Trockensteinmauern streicht, den Duft der Erde riechen, nach den Relikten der jahrtausendelangen Geschichte suchen, die vielen Windmühlen studieren oder ein Schwätzchen mit Einheimischen halten. Català-Kenntnisse sind in Mallorcas Mitte nicht nur bei der Frage nach dem Weg von Vorteil. 

Es Raiguer – die Lebensader. Touristen nehmen den schmalen Landstreifen am Südostrand der Serra de Tramuntana kaum als eigene Landschaft wahr. Dennoch ist die Achse Palma – Alcúdia, die schon die beiden wichtigsten Römersiedlungen miteinander verband, das Herzstück der Insel. Zwischen Marratxi, Santa Marìa del Camí, Consell, Alaró, Lloseta, Binissalem, Inca, Mancor de la Vall, Selva, Caimari, Campanet, Bùger und Alcúdia verlaufen die wichtigste Straßen- und Bahnverbindungen, hier prosperiert die Wirtschaft abseits des Tourismus: Keramikherstellung und Lederverarbeitung, Landwirtschaft und Baustoffindustrie. Selbst das Handwerk hat noch goldenen Boden: Schuhhersteller aus Inca, der zweitgrößten Stadt Mallorcas, sind heute europaweit für ihren Stil bekannt. Schon die ersten Siedler waren von den fruchtbaren Böden des Raiguer angetan – und vom frischen Wasser, das hier in großen Quellen zum Vorschein kommt. Bei Campanet, wo sich die Kraft des steten Tropfens auch in einer wunderbaren Tropfsteinhöhle manifestiert, tut es das mitunter so heftig und wildbachartig, dass man von fonts ufanes (fröhlichen Quellen) spricht.

Die Serra de Tramuntana bildet das gebirgige Rückgrat der Insel – vom Ponent (Südwesten) bis zum Cap de Formentor im Norden. Näheres über diese Traumlandschaft finden Sie hier.

Palma – Ciutat de Mallorca. Gleich hinter dem Flughafen Son Sant Joan, in dem pro Jahr bis zu 22 Millionen Passagiere abgefertigt werden, liegen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die Hotelmeile an östlichen der Platja (Playa) bis zum bekanntesten Tourismuszentrum der Insel, S'Arenal – und die ciutat, „die Stadt“, wie die Mallorquiner ihre Metropole Palma einfach nennen. Hinter dem riesigen Hafen und der großartigen gotischen Kathedrale La Seu hat sich eine der schönsten Städte Südeuropas entwickelt. Ihr großes historisches Zentrum birgt zahlreiche große und kleine Sehenswürdigkeiten – und blieb dank des Labyrinths seiner engen Gassen weitgehend autofrei. Auf einem Hügel im Südwesten der Stadt thront das mittelalterliche Castell de Bellver, ein weiteres und weithin sichtbares Wahrzeichen. Unterhalb davon zieht sich das Siedlungsgebiet Palmas weiter der Westküste der Bucht entlang – als lange Reihe teils nobler Feriendestinationen.
Laut Volkszählung von 2007 hat Palma 383.107 Einwohner. Im gesamten Siedlungsbereich um die Stadt, der auch den etwa 40 km langen Küstenstreifen an der Badia de Palma und die Nachbarorte in der Ebene dahinter umfasst, leben etwa 500.000 Menschen.