Wildziege 01
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Mallorcas Ziegen

Wer auf Mallorca wandert, begegnet ihnen bald: Mehr als 20.000 Ziegen meckern auf der Insel, vor allem in der Serra de Tramuntana, der Halbinsel La Victòria bei Alcúdia und auf der Península de Llevant. Sie sind nett anzusehen, wenn sie mit neugierigem Blick die Eindringlinge in ihrem Revier mustern und dann oft geradezu gelangweilt davontraben. Ökologen haben weniger Freude mit ihnen: Ziegen fressen die Vegetation kahl und verhindern damit die Verjüngung der Wälder. Sie verschmähen weder Gräser noch Triebe von Jungpflanzen, und so müssen z. B. Setzlinge in Aufforstungen mit Drahtgittern geschützt werden.

Doch Ziege ist nicht gleich Ziege: Bei den meisten Tieren handelt es sich um verwilderte Hausziegen mit grauschwarzem oder dunkelbraunem Fell. Man erkennt sie meist am weißen Fleck auf der Stirn und an ihrem langen ovalen Hautlappen am Hals. Die Hausziegen wurden einst in Herden gehalten, dann aber sich selbst überlassen. So vermischten sie sich mit den Wildziegen (cabras finis), die schon in prähistorischer Zeit auf die Insel gekommen waren.

Diese endemische – also nur hier vorkommende – Tierart hat sich dem Ökosystem hervorragend angepasst. Heute gibt es noch etwa 1000 wilde Ziegen. Sie sind mit einer Schulterhöhe von etwa 70 cm etwas kleiner und auch feingliedriger als die verwilderten Exemplare. Sie haben ein rötlichbraunes Fell mit einem schwarzen Streifen, der über Bauch und Rücken verläuft; auch an den Beinen geht das Braun in Schwarz über. Ihre Augen sind bernsteinfarben, die Ohren fast waagrecht. Das Weibchen bekommt nur ein Junges pro Jahr.

Die verwilderten Ziegen vermehren sich viermal so rasch. Um ihren Bestand wieder ins ökologische Gleichgewicht zu bringen, werden sie nun vermehrt gejagt. Mitarbeiter des Umweltministeriums und der Jagdverbände gehen dabei nicht nur mit dem Gewehr auf die Pirsch, sondern auch per Lasso. Dabei kreisen Hunde die Ziegen ein, dann schlingt man ein an einen Stock gebundenes Seil um ihren Hals – und führt sie in ein Auffanglager, wo sie geschlachtet werden. Diese Jagdmethode verlangt zwar viel Geduld und körperliche Fitness, hat auf der Insel jedoch eine lange Tradition – und eignet sich auch für Gebiete in der Nähe von Siedlungen, wo nicht geschossen werden darf. Wildziegen dürfen übrigens nur dort erlegt werden, wo ihr Bestand mehr als 85% ausmacht.

Fotos

Oben: nur "wild" mit dem dunklen Streifen: Wildziegen auf Formentor

Rechts: alte und junge Ziegen auf der Suche nach Futter

 

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