Pflanzen- und Tierwelt
  • Erdbeerbaum
  • Rosmarin
  • Gladiole
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  • Schildkroete

Mallorcas Pflanzen- und Tierwelt

Noch vor 6000 Jahren war Mallorca dicht bewaldet. Römische Geografen berichten von ausgedehnten Steineichen-Hainen, die jedoch der Abholzung zur Gewinnung von Kulturland, der Köhlerei, der Überweidung und verheerenden Waldbränden zum Opfer fielen.

Wo der Wald verschwand, war der Erosion Tür und Tor geöffnet. Die dünne Bodendecke wurde abgetragen, weite Bereiche verkarsteten. Wo sich die Steineichenwälder nicht mehr regenerieren konnten, blieben oft nur steinige Flächen mit Dissgras übrig. Die üppigen Büschel, die man nicht zu Unrecht auch Schneidgras nennt, bilden wahre Fußangeln.

In weiten Bereichen bildete sich die Macchia, ein Buschland, das man auf Mallorca garriga nennt. Zwischen einzelnen Kiefern und auch Steineichen, die jedoch keine große Höhe erreichen, gedeihen dort trockenresistente, bis zu 5 m hohe Hartlaubgewächse wie die Steinlinde, die Strauchheide oder die Wilde Olive, die als der widerstandsfähigste Wildbaum Europas gilt: Sie übersteht sogar Waldbrände oder das Abschneiden des Hauptstammes. Besonders fotogen ist die Zwergpalme, Europas einzige natürlich vorkommende Palmenart, die vor allem im gebirgigen Südwesten und im Norden der Insel gedeiht. Im Frühjahr tauchen das Balearen-Johanniskraut und der undurchdringliche Dornginster die garriga in leuchtendes Gelb, während die Zistrosen ihre zerknitterten roten und weißen Blüten entfalten. Dazwischen blinken die weißen Sterne des Affodills, die purpurfarbenen Kelche der Wildgladiole und die rosaroten Becher des Balearischen Fingerhuts.

Dieser gehört zu Mallorcas Endemiten, also zu den etwa 140 Pflanzenarten, die aufgrund der Isolierung der Insel nur hier gedeihen. Der blassblau blühende Rosmarin verbreitet seinen unverkennbar würzigen Duft. Um diese Zeit entdeckt man auch zahlreiche Orchideen, und sogar das Zwergedelweiß blüht auf den Bergen. Den wilden Fenchel kennen auch Likörtrinker: Er befindet sich in vielen Hierbas-Flaschen. Im Herbst werden die roten Beeren des Mastixstrauchs schwarz, daneben beginnen die gelben und roten Früchte des Erdbeerbaumes zu leuchten und die winzigen rosa Blüten der Vielblütigen Heide ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Wo – etwa durch den Verbiss von Ziegen – auch die Macchia verschwindet, behaupten sich nur mehr extrem harte und genügsame Pflanzen: Zwergsträucher, Kräuter, Zwiebel- und Knollengewächse oder die Baumwolfsmilch, da und dort aber auch Orchideen und Ragwurzarten. Besonders im Bereich der marines hinter den Klippen der Steilküste findet man solche „Küstensteppen“. Wer dort wandert, den erwartet ein labyrinthischer Slalom zwischen Duft und Dornen. Neben runden Strauchinseln und dornigen Polstern gedeihen seltsame Pflanzen wie der gelbe Sandstern, der Meerfenchel und die Stranddistel. Der ständige Wind drückt Wacholderbüsche zu Boden und bürstet sie glatt, bis sie an grüne Raketenabschussrampen erinnern.

Jedoch: Die bunte Pracht täuscht darüber hinweg, dass von den 422.000 Wildpflanzenarten der Insel fast 76.000 vom Aussterben bedroht sind.

Die Fauna der Insel umfasst nur wenige Säugetierarten. Auf Ihren Wanderungen werden Sie sehr wahrscheinlich Ziegen begegnen, vielleicht auch Hasen und Wildkaninchen, mit etwas Glück auch einer Maurischen oder einer Griechischen Landschildkröte (beide Arten sind streng geschützt). Weitaus seltener (und nur nachts) lässt sich die Ginsterkatze blicken. Am Abend entdecken Sie jedoch bestimmt Fledermäuse, von denen es hier 14 verschiedene Arten gibt.

Wasservögel lassen sich z. B. in den Sumpfgebieten der S’Albufera oder in den Salinen im Süden der Insel beobachten. Auch das Vall de Bóquer bei Port de Pollença ist ein beliebtes Ziel für Vogelkundler. Zu den bemerkenswertesten Vögeln auf der Insel zählen die endemischen Arten, etwa der Balearen-Sturmtaucher oder die Balearen-Grasmücke, aber auch der Purpur- und der Seidenreiher, die Zwergrohrdommel, der Fischadler sowie der Rosa-Flamingo. Im Kulturland ist mitunter der Wiedehopf zu beobachten. An der Küste entdeckt man immer wieder Krähenscharben: Die dunklen Vögel mit ihren langen Schnäbeln sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher und werden deswegen manchmal für Kormorane gehalten. Möwen sind an Mallorcas Küsten allgegenwärtig – doch die elegant dahinsegelnden Korallenmöwen, die in den senkrechten Felswänden der Insel Sa Dragonera brüten, gehören zu den seltensten Möwenarten der Welt.

Eine Besonderheit unter den Amphibien ist der – erst Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Schluchten der Serra de Tramuntana wieder entdeckte – Ferreret, die endemische Mallorca-Geburtshelferkröte. Die beiden Schlangenarten der Insel – eine Land- und eine Wassernatter – sind ungiftig.

Fotos

Oben: Im Frühjahr blühen die Zistrosen.

Rechts: Farben und Düfte – die Früchte des Erdbeerbaums im Herbst, blühender Rosmarin, die wilde Gladiole, Ginster und Balearisches Johanniskraut. Darunter tummeln sich ein Marder, wilde Ziegen und eine Maurische Landschildkröte.

 

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