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Mallorcas Wälder

Größere Wälder, die eine Ahnung der ursprünglichen Vegetation geben, findet man noch im Gebirge, vor allem im Bereich der Serra de na Burguesa nordwestlich von Palma, rund um Esporles und Valldemossa sowie in der zentralen Serra de Tramuntana zwischen dem Raiguer, dem Tal von Sóller und Lluc. Die höheren Gebirgszüge sind heute kahl, nur auf dem Puig de l’Ofre bei Sóller reicht der grüne Pelz noch bis fast zum Gipfel hinauf. Entlang der Küste und der Inselebene bestehen heute nur noch kleine Wälder.

Am weitesten verbreitet ist die Aleppokiefer. Obwohl sie auf spanisch Pino heißt und im Katalanischen Pi, hat sie nichts mit der Pinie zu tun. Kiefern wachsen, wie Forschungen ergaben, seit Urzeiten auf der Insel; darauf weisen auch zahlreiche Ortsnamen wie etwa Cala Pi hin. Seit dem 16. Jahrhundert pflanzte man verstärkt Kiefern an, vor allem als Grundmaterial für den Haus- und Schiffsbau. Die rasch wachsenden Bäume verbreiteten sich stark und bedecken heute fast ein Fünftel der Inselfläche – die Kiefernwälder sind heute also viel größer als die ursprünglich vorherrschenden Steineichenhaine.

Heute stehen etwa 62 Millionen Bäume auf den Balearen; der Wald bedeckt eine Fläche von 186.000 ha. Woher man das weiß? Die Forstbehörde wählt per Zufall Parzellen aller Ausprägungen aus, zählt dort und rechnet die Zahlen dann hoch. Noch genauer wurde zwischen 1741 und 1745 gezählt. Schließlich lautete das Ergebnis: 4, 7 Millionen Kiefern, 2,3 Millionen Steineichen, 216 Eschen, 150 Pappeln und zwei Kastanienbäume. Der Obrigkeit lag damals allerdings weniger der Zustand der Wälder, sondern die mehr die potentielle Holzmenge für den Bau von Kriegsschiffen am Herzen. Auch die Inselbevölkerung verbrauchte viel Holz – vor allem zur Herstellung von Holzkohle, aber auch für den Hausbau und zum Brotbacken. Als Erzherzog Ludwig Salvator in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Walddichte einzelner Grundstücke berechnete, standen nur noch 2,1 Millionen Bäume auf Mallorca.

Nach wie vor sind 95 Prozent der mallorquinischen Wälder in Privatbesitz. Mittlerweile befinden sich die Bäume jedoch unter der Verwaltung des Umweltministeriums, das auch eine Baumschule samt Samenbank im Landgut  Menut bei Lluc führt. In diesem Viver forestal zieht man jedes Jahr ca. 300.000 heimische Pflanzen zur Aufforstung abgebrannter Bereiche heran. Seltene Bäume wie die Feldulme, die Eibe, die Korkeiche oder die Seekiefer stehen unter strengem Naturschutz, und auch die Steineichenwälder werden vor Eingriffen bewahrt.

So fällt ein Vergleich der heutigen Situation sehr positiv aus. Die Zahl der Bäume auf den Balearen hat sich allein in den vergangenen 40 Jahren verfünffacht; die Wälder sind dichter und die Pflanzen jünger. Trotzdem bereiten die immer wieder aufflackernden Waldbrände Sorge – ebenso wie Schädlinge, etwa die Prozessionsspinnerraupen, die Kiefern kahlfressen. Überall auf der Insel sieht man Kunststoffbeutel an Kiefernzweigen hängen – Duftstoffe sollen die männlichen Nachtfalter hineinlocken und so dezimieren, damit ihre weitere Fortpflanzung unterbunden wird. Eine noch größere Gefahr sieht das Umweltministerium mittlerweile jedoch in den verwilderten Ziegen, die sich zu stark vermehren und mit Vorliebe die frischen Triebe der Pflanzen verspeisen.

Fotos

Oben: Die genügsamen Steineichen wachsen selbst im Felsgelände – hier oberhalb von Valldemossa.

Rechts: Im unwegsamen Waldgelände wird die Orientierung mitunter sehr schwierig – auch in den großen Kiefernbeständen der südlichen Serres de Llevant (Tiefblick von der Mola de Fangar).

 

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