Glas
Glas Lafiore

Die heißesten Orte Mallorcas liegen bei Algaida, Campanet, S’Esgleieta und in einem östlichen Außenbezirk von Palma. Dort entstehen bei Temperaturen um 1500 °C und durch das Können versierter Kunsthandwerker große und kleine Kunstwerke aus Glas.

Die Glasbläsereien Gordiola, Menestralía und Lafiore zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen auf Mallorca. Weniger bekannt ist, dass auch in Palma zwei Glasbläsereien bestehen. Gemeinsam ist diesen Betrieben, dass sie eine jahrtausendealte Tradition fortsetzen. Schon um 600 v. Chr. verarbeiteten die Phönizier auf Mallorca Glas, indem sie es in flüssiger Form in Sand- oder Tonformen gossen. Wie Funde aus Alcúdia belegen, hinterließen sie ihr Wissen um das zerbrechliche Gut den Römern. Die Araber erzeugten bereits buntes Glas – vorzugsweise in grün, der Farbe des Propheten – und ersannen verschnörkelte Formen, die auch nach der christlichen Wiedereroberung beibehalten wurden.

Mit den neuen Herrschern kam z. B. die Herstellung fein gefertigter Weingläser auf. Allerdings verschlang die Befeuerung der Schmelzöfen zur Glasherstellung so große Mengen an Holz, dass ganze Wälder verschwanden und die Glasherstellung zeitweise sogar verboten wurde. Anno 1600 brachte ein Glasbläser, der aus Murano bei Venedig geflüchtet war, wesentliche technische und künstlerische Impulse nach Mallorca. Ein berühmtes Beispiel für den damaligen Aufschwung der Glaskunst ist die riesige Fensterrosette der Kathedrale von Palma, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand. 1719 wurde die heute noch bestehende Glasmanufaktur Gordiola in Algaida gegründet. Weitere 100 Jahre später begann der Siegeszug der Glasindustrie, mit dem die kleinen Glasbläsereien nach und nach verschwanden.

Erst der aufkommende Tourismus führte zur Renaissance der alten, handwerklichen Glaskunst auf der Insel. Heute kann man in den drei großen Glasbläsereien der Insel dabei zusehen, wie kunstvolle Unikate entstehen. Es ist faszinierend, wie das im Brennofen geschmolzene Material binnen Minuten zu bunten Gläsern, Vasen, Lampenteilen oder Figuren wird. Mit einer canya (Metallrohr) holen die Glasbläser ein Stück glühender Masse aus dem Feuer, die sie wie kleinen Ballons aufblasen. Mit Zangen wird das zähflüssige Gebilde in Form gebracht; zuletzt schneidet man es mit dem tallant (einem scharfen Messer) vom Rohr und kühlt es in Wasser ab. Die Betriebe stellen eigene Produkte für Firmen und Privatpersonen her; man kann aber auch gleich in den angeschlossenen Verkaufsräumen ein persönliches Souvenir erstehen.

Vidrieries Gordiola: Algaida, an der Carretera Palma–Mancor bei Km19, Öffnungszeit Glasmuseum Mo–Sa 9–19 Uhr, SO/Fei 9–13 Uhr, Tel. 971/665046, www.gordiola.com

S.C.L. Menestralia: Campanet, an der Carretera Palma–Alcúida bei Km 36, Betrieb und interessantes Glasmuseum in einer nachgebauten Burg, Mo–Fr 9–13 Uhr und 15–19 Uhr, Sa 10–15 Uhr, Tel. 971/877104, www.menestralia.com

LaFiore SA: S’Esglaieta, an der Carretera Palma–Valldemossa bei Km 11, Öffnungszeiten Laden Mo–Fr 9–20 Uhr, Sa 9–18 Uhr, Glasbläserei Mo–Fr 9–14 Uhr und 16–18 Uhr, Tel. 971/611800, www.lafioredeco.com

Vidrierías Artísticas Mayra Carrá: Palma, Carrer de Tiziano, 26

Josefina Seguí, Vidrier de Candilon: Palma, Carrer de Ferrer de Pallares, 36B