Bahnfahrt nach Soller

Schon beim Lösen des Tickets im historischen Bahnhofsgebäude nahe der Plaça d’Espanya in Palma stellt sich ein nostalgisches Gefühl ein, das sich beim Einsteigen in einen der braunen Waggons verstärkt. Mit einem leisen Ruck setzt sich der Zug in Bewegung und rollt zunächst mitten auf dem Carrer Eusebi Estada, den man nach dem bahnbegeisterten Bürgermeister der Hauptstadt benannt hat. Zwischen Siedlungen, Sportanlagen und vielerlei Bausünden verlässt man Mallorcas Metropole; nach dem Hipodromo und dem Außenbezirk La Victoria ziehen schon die Felder und Mandelplantagen des fruchtbaren Kulturlandes um Son Sardina an Ihnen vorbei.

In diesem Streckenabschnitt erhält der Schienenstrang Verstärkung: Er führt ein paar hundert Meter lang neben dem oberirdischen Metro-Linie dahin. Vergangenheit ist gottlob ein weitaus weniger erfreulicher Aspekt: Das verwachsene Gleis, das beim heutigen Picknikplatz Caubet abzweigt und gleich danach hinter einer Mauer verschwindet, führte in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs zu einem Waffenarsenal – von hier aus versorgte man italienische U-Boote, die in Port de Sóller stationiert waren. Halten Sie also besser Ausschau nach dem westseitig (links) gelegenen Landgut Raixa, über dem die felsigen Ausläufer der Serra de Tramuntana erscheinen. Bald erheben sich der Puig de s’Alqueria, der Puig de Son Nasi und der Puig de Son Poc wie eine mallorquinische Ausgabe der Drei Zinnen über dem Tal von Bunyola.

Nach dem Halt im Bahnhof dieses recht ursprünglich gebliebenen Ortes unterbinden die ersten zwei von insgesamt 13 Tunnels kurzzeitig die Sicht auf Oliven-, Johannisbrot- und Mandelbäume. Sie stimmen auf eine längere Finsternis ein: Gleich hinter dem berühmten Garten von Alfàbia verschwindet die Bahn im 2.857 Meter langen Túnel Major. Das harte Stakkato der Metallräder hallt durch die Finsternis: Würde man konsequent von Palma bis Sóller mitzählen, käme man auf 2225 mal „Tocktock“ – jedes entpräche einem Schienenpaar à 12,40 Meter Länge.

Wenn es wieder hell wird, sollten Sie rechts sitzen: Das Gebirge gegenüber der „Esplanada“ zeigt sich von seiner wilden Seite. Nach drei weiteren Tunnels erblickt man plötzlich das Tal von Sóller – und mitten in ein wunderbares Panorama bis hin zum Puig Major, dem höchsten Gipfel der Insel. Kein Wunder, dass die Bahn hier sogar über eine eigene „Aussichts-Station“ verfügt: Am Mirador des Pujol d’en Banya hält der tägliche Tren Turístico (Abfahrt in der Sommersaison täglich um 10.40 Uhr in Palma) ausschließlich zur Freude der Fotografen. Sollten Sie im normalen Zug daran vorbeirattern: Man kann auch von Sóller heraufwandern; Startpunkt ist die Tankstelle an der Umfahrungsstraße.

Die Szenerie bleibt auch auf dem Rest der Strecke eindrucksvoll, unterbrochen nur von den nächsten Tunnelröhren. Zwischen Olivenhainen und friedlich grasenden Schafen gewährt die spektakulärste Brücke der Bahnroute freie Sicht: Der 46 Meter lange Viadukt von Monreals überspannt den Torrent des cinc ponts mit hohen Steinbögen. In der langgezogenen Rechtskurve oberhalb der Küstenstraße sollten Sie, wenn es möglich ist, die Wagenseite wechseln, den auf den folgenden zwei Kilometern leuchtet das „Orangenstädtchen“ von links ins Abteil.

Dann verbirgt ein letzter Tunnel die südliche Ortseinfahrt von Sóller, und schließlich stoppt der Zug in seiner Endstation: Das aus dem Jahre 1606 stammende Herrenhaus Can Mayol wurde 1911/12 zu einem Jugendstil-Bahnhof umgebaut; an seiner vorderen Mauer erinnert ein Gedenkstein an den Bahngründer Jeroni Estades. In seinem Inneren ist eine Ausstellung über Picasso und Miró zu sehen – ein guter Schluss für ein unvergessliches Bahn- und Landschaftserlebnis.

Fahrplan

Der Preis für ein Ticket Palma – Sóller beträgt dzt. € 9,- (einfache Fahrt) bzw. € 14,- (hin/retour); ab Bunyola € 4,50 bzw. € 9,-. Er liegt damit deutlich über dem Preis für die Busfahrt Palma – Sóller (und dien Ticketpreisen auf den übrigen Bahnlinien). 

Foto
Der Tren de Sóller rattert über den Viadukt von Monreals dem "Orangenstädtchen" entgegen.