Pollentia Alcudia
  • Pollentia Ruinen Alcudia
  • Teatre Roma Alcudia
  • Pont Roma Roemische Bruecke Pollenca

Etwa 50 Jahre waren die Römer bereits auf Mallorca stationiert, als sie um das Jahr 70 v. Chr. an den Bau einer Siedlung gingen, und zwar in der Nähe der heutigen Stadt Alcúdia im Rom zugewandten Nordosten der Insel. Sie nannten sie Pollentia – „die Mächtige“ – und machten sie zur Hauptstadt der Insel. Viele der rund 3000 römischen Siedler, von denen die meisten von der spanischen Halbinsel kamen, fanden dort eine Heimat. Von Pollentia ging die offenbar friedliche Romanisierung Mallorcas aus.

Die Römerstadt Pollentia besaß ein zentrales Forum, Tempel, Handwerksbetriebe, Läden (Tabernae), ein Theater und natürlich einen Hafen. Die teils mit Marmor und Mosaiken ausgestatteten Häuser an seinen rechtwinkelig angelegten Straßen verfügten über Innenhöfe, Bäder, Wasser- und Abwasserleitungen. Im 3. Jahrhundert n.Chr. wurde Pollentia mit einer Mauer befestigt, die jedoch die Vandalen im Jahre 426 überwanden: Sie plünderten und zerstörten die Stadt, die erst später an anderer Stelle wiederaufgebaut wurde und zur Keimzelle des heutigen Pollença wurde.

Das Gebiet der römischen Siedlung sollen jedoch auch in byzantinischer Zeit noch bewohnt gewesen sein. Schließlich errichteten die Araber knapp nördlich davon eine neue Stadt, die sie Al-Qudya („der Hügel“) nannten.

Die Ruinen der Römerstadt Pollentia wurden erst im 16. und 17. Jahrhundert, vor allem beim Bau der zweiten Stadtmauer von Alcúdia, entdeckt. Heute liegen sie zwischen der südlichen Umfahrungsstraße (Avinguda dels Princeps d’Espanya, MA-13A) und dem Camí des Teatre Romà. Systematische Ausgrabungen seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstreckten sich auf die nördliche antike Altstadt (Sa Portella) nahe der Pfarrkirche von Alcúdia, das Gelände des einstigen Forums und das südöstlich etwas abseits gelegene Theater (Teatre Romà). Zu sehen sind u. a. Grundmauern und Säulenreste mehrerer Wohnhäuser – etwa des „Hauses der beiden Schätze“ (Casa dels dos Tresors) oder des Hauses des Bronzekopfs (Casa del Cap de Bronze). Beim Forum, dem einstigen Versammlungsplatz der Bürger, bestehen noch Ruinen eines kapitolinischen Tempels (Capitoli) aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.

Die zehn halbkreisförmigen Ränge, die Orchestra und die quadratische Bühne des Teatre Romà (1. Jahrhundert n. Chr.) findet man 400 m weiter südöstlich. Die Anlage, die aus dem Gestein eines Hanges geschlagen wurde und im oberen Bereich möglicherweise einen hölzernen Aufbau besaß, fasste vermutlich etwa 2000 Personen. Zwischen den Steinstufen klaffen künstlich geschaffene Begräbnishöhlen aus vortalayotischer Zeit.

Funde von den Ausgrabungsstätten – u. a. Grabbeigaben, Keramik- und Bronzegefäße, Gläser, Amphoren, Münzen, Marmorverzierungen und Mosaiken – sind im Museu Monogràfic de Pollentia in Alcúdia zu sehen (Carrer Sant Jaume, 30) 

Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa/So 10.30 – 13 Uhr, Mo/Fei geschlossen (das Ticket gilt für die Ausgrabungsstätte und das Museum).

Info: Tel. 971/547004, www.pollentia.net

Fotos
Oben: Die Ruinen der Römerstadt Pollentia beim heutigen Alcúdia können besichtigt werden.
Rechts: Ruinen der Atriumhäuser und des Theaters. Von der "Römischen Brücke" im benachbarten Pollença stammen wahrscheinlich nur Teile des Unterbaus der späten Römerzeit.