Talaiot von unten

Aus Urzeit und Antike

  • Navetas bei Son real
  • P4188538
  • Pollentia Ruinen Alcudia 01

Die ersten Funde menschlicher Anwesenheit auf Mallorca – Knochen in Höhlen bei Valldemossa und Esporles – gehen auf die Zeit um 7200 v. Chr. zurück. Die urzeitlichen Jäger, Fischer und Sammler, die schon Haustiere besaßen, lebten in Höhlen oder einfachen Strohhütten; befestigte Wohnstätten sind nicht nachweisbar. Ab 1800 v. Chr. bestattete man die Toten in Höhlen. Bald danach entstanden die ersten aus Stein gefertigten Anlagen: Dolmen und sogenannte Navetas. Über die Schöpfer und Bewohner dieser Bauwerke weiß man wenig – nur soviel: Sie dürften ein friedliches Volk gewesen sein, denn man fand keine Spuren von Befestigungen.

 

In die Zeit zwischen 1300 und 123 v. Chr. weisen die geheimnisvollsten Steinbauten Mallorcas zurück: die Talaiots. Es handelt sich dabei um die Ruinen hoher, aus unregelmäßigen und zyklopisch großen Steinen errichteter Türme mit rundem oder viereckigem Grundriss. Die Funktion dieser Gebäude ist bis heute unklar – wahrscheinlich beherbergten sie Stammesführer, vielleicht dienten sie auch als Wachposten oder für kultische Zwecke. Talaiots bestanden in allen Gebieten der Insel, meist umgeben von befestigten Siedlungen mit bis zu 500 Bewohnern.

 

Diese waren Meister in der Kunst des Steinschleuderns und verdingten sich daher häufig als Söldner. So soll der punische Begriff ba’le yahro – werfen – zum Namen der Balearen geführt haben. Die talaiotische Kultur entwickelte die Landwirtschaft, die Zucht von Rindern, Schafen oder Schweinen und – wie Funde fremder Götterstatuen belegen – den Handel mit fernen Regionen, vor allem mit Metall.

 

Das archäologische Erbe Mallorcas ist reich. Man schätzt, dass auf der Insel etwa 3500 archäologische Stätten existieren. Erforscht wurde bisher nicht einmal die Hälfte davon, obwohl unter der Koordination des Museu de Mallorca ständig an etwa 20 Fundstellen Wissenschafter tätig sind. Gleichzeitig "verschwinden" aber imnmer wieder Zeugen der Vergangenheit unwiederbringlich – unter Baustellen oder gepflügten Feldern. 

 

Fotos

Oben: Einst bauten die Mallorquiner für die Ewigkeit. Diese tonnenschwere Deckplatte ist am Talaiot von Hospitalet Vell zu sehen.

Rechts: Baukunst durch die Jahrhunderte: Navetas bei Son real, die zentrale Steinsäule im Talaiot von Son Fornés bei Montuïri und römerzeitliche Ruinen bei Alcúdia